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Verein und k. k. Kaiser Karl- Museum für österreichische Volkskunde.
worden. In die Leitung des Vereines teilt sich nunmehr mit dem Präsidium ein General-sekretariat, das von dem bisherigen, bereits durch 24 Jahre amtierenden Schrift-führer Prof. Dr. M. Haberlandt in Gemeinschaft mit zwei Sekretären, Dr. ArturHaberlandt und Prof. Dr. K. v. Spieß( derzeit im Felde), versehen wird. DerVereinsausschuß hat sich durch die Zuwahl der Herren Hofrat Rudolf Ritter v. Foerster-Streffleur, Hauptmann Karl Werkmann, Rittmeister Dr. Rudolf Freiherr v. Drasche,Fräulein Marie v. Glaser, Redakteur Rudolf Holzer und des MuseumsvorstandesDr. Viktor v. Geramb( Graz) verstärkt. Der langjährige Geschäftsführer des Vereines,Ing. Anton Dachler widmet nunmehr im Schoße des Ausschusses der Gesellschaft seinestets bewährte Mitwirkung.
Um ihren besonderen Dank für unschätzbare Förderung der Vereins- und Museums-aufgaben zu bezeugen, hat die Vereins- und Museumsleitung die Jahresversammlung am16. April ersucht, Ihre Exzellenz Frau Gräfin Nandine Berchtold, die unermüdlicheGönnerin des Kaiser Karl- Museums, zur Ehrenpräsidentin zu wählen und Seine Exzellenzden Herrn Oberstkämmerer Graf Leopold Berchtold zu bitten, die Ehrenmitgliedschaftder Gesellschaft und des Kaiser Karl- Museums anzunehmen.
Neben den umfassenden und bedeutungsvollen Aufgaben, die der Hauptschöpfungunseres Vereines, dem Kaiser Karl- Museum gestellt sind, harrt des Vereines selbst, wennseine Kräfte mit der Eröffnung des Museums wieder etwas mehr entlastet sein werden,wichtige und weitausgreifende Betätigung. Nachdem nun durch fast ein Vierteljahrhundertder volkskundliche Stoff aus allen Völkergebieten der Monarchie aufgehäuft und ein fastschon unübersehbares Tatsachenmaterial zu vergleichender Betrachtung zusammengetragenworden ist, gilt es nun zusammenfassende Arbeit und Darstellung zu leisten. Wennirgendeine Körperschaft, ist unsere Gesellschaft zur Herausgabe einerdem heutigen Stande der Wissenschaft entsprechenden Ethno-graphie der österreichisch- ungarischen Monarchie berufen.Da volkskundliche Kenntnisse immer dringender zum Erfordernis der allgemeinenBildung gehören werden, zumal im Nationalitätenstaat Österreich, wird diese Darstellungin mehreren Abstufungen, dem Unterricht von den Hochschulen bis herab zur unterstenStufe sich anpassend, als Lehrbehelf zu gestalten sein. Weitere Aufgaben erwachsen einersolchen volkskundlichen Bücherei unseres Vereines mit der Darstellung einzelnerwissenschaftlicher und praktischer volkskundlicher Probleme. Als solche sind ins Auge zufassen: 1. Die Hausforschung in Österreich, 2. die Volkstrachten der Monarchie, 3. Volkskunstund Hausindustrien in Österreich, wobei der betreffende Gegenstand immer auch inHinsicht der Nutzanwendungen erfaßt werden soll, die sich für die Gegenwart und Zukunftpraktisch in Erneuerung und Wiederbelebung des alten Volksbesitzes an Sittlichkeit, Geistund Arbeit ergeben.
Es ist hohe Zeit, daß die bisherige sozialpolitische und praktische Unfruchtbarkeit,zu der die Volkskunde in ihrer wissenschaftlichen Abseitsstellung sich zum großen Teileselbst verurteilt hat, ihrer immer umfassenderen und kräftigeren Einflußnahme auf dieWeiterentwicklung und zukünftige Gestaltung der Volkskultur weiche. In enger Verbindungmit dem Heimatschutzgedanken und den einschlägigen, sehr verdienstlichen Bestrebungen,aber über dieselben weit hinausgreifend und ins Ganze des Volkslebens und seineskulturellen Gehaltes wirkend, hat die österreichische Volkskunde ihre Mission auch in dieVolkserziehung zu setzen, wobei ihr das nationale Moment Wegweiser und Richtschnur inallem Nahen, die volle Menschlichkeit ohne geistige Schranken aber der höhere Leitsternwird sein dürfen. In diesem Sinne wollen wir uns im Wettstreit mit den anderen aus-heilenden Werken des ersehnten baldigen Friedens im neuen Jahre zu neuer Arbeit rüsten!