Literatur der österreichischen Volkskunde.
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anbahnen, wo es an der Einsicht in diese schwierigen Verhältnisse noch fehlt. Dazu istnun das kleine Büchlein vorzüglich geeignet. Die beigeheftete Sprachenkarte und namentlichdie statistischen Tabellen über die sprachlichen und religiösen Verhältnisse der Monarchiǝvom Jahre 1910 werden vielen sehr willkommen sein.
2. Prof. Dr. M. Arnaudoff: Die bulgarischen Festbräuche.( Bul-garische Bibliothek, Bd. IV, herausgegeben von Prof. Dr. Gustav Weigand.) Leipzig 1917.Am Leitfaden des volkstümlichen Wirtschaftskalenders sind in vorliegendem Werkchenin zwölf Kapiteln die altertümlichen agrarischen Riten, Bräuche und Lieder wiedergegeben,die unter dem bulgarischen Volk bis heute in lebendiger Übung stehen. Es ist eine wahreFundgrube animistischer Anschauungen und mythischer Beseelung der natürlichen Vor-gänge, die hier aufgeschlossen erscheint; wer mit den Problemen, die W. Mannhardt inseinen„ Wald- und Feldkulten" oder J. G. Frazer in„ The golden Bough" aufgerollt hat,vertraut ist, wird in den bulgarischen agrarischen Bräuchen auf Schritt und Tritt die inter-essantesten Parallelen und Varianten auffinden. Für den Erforscher südslawischer Volks-kunde ist das Büchlein unentbehrlich.
3. John Meier: Volkslied studien. Straßburg. Verlag von Karl J. Trübner1917.( Trübners Bibliothek, Bd. 8.)
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Untersuchungen über das Wesen und die Eigenart des Volksliedes sind in allge-meiner Form seit langem und von den verschiedensten Seiten angestellt worden. Der indieser Materie tief eingearbeitete Verfasser, eine anerkannte Autorität auf dem Gebiete derVolksliedforschung, sucht mit peinlichster Akribie und umfassendster Detailarbeit metho-dische Vorbilder für die Arbeitsweise aufzustellen, mit welcher nach seiner Überzeugungzunächst allein gesicherte Ergebnisse und tatsächlicher Einblick in die Werkstatt des Volks-liedes gewonnen werden kann. Zu diesem Zwecke ist seine Wahl auf vier Lieder gefallen:( ,, Stehe ich am eisernen Gitter",„ Es ging einst ein verliebtes Paar", Karl Ludwig Sandim Liede, Lieder auf Friedrich Hecker), von denen aber besonders von den in den zweiletzten Abschnitten behandelten ich sehr bezweifeln möchte, ob sie für Volksliedergelten können. Ich halte unmaßgeblich in der Volksliedforschung andere Forschungs-richtungen für dringlicher und fruchtbarer. Untersuchungen wie die von A. Daur über dieFormelhaftigkeit des Volksliedes, die Natureingänge u.s. w., die in vergleichender Betrachtungüber die nichtdeutschen romanischen und slawischen, finnischen Volksliedkreise ausgedehntwerden müssen, erscheinen mir längst an der Zeit und würden uns in das Wesen und dieEntstehungsweise des Volksliedes im allgemeinen wohl tiefere Einblicke eröffnen, als sieauf dem von J. Meier hier vorgeschlagenen Wege erreichbar sein dürften. In„ Volks-lied studien" eines führenden Volksforschers erhofft man zunächst doch wohl andereDinge behandelt, als die politische und poetische Tageschriftstellerei um einen Sandoder Hecker herum.Prof. Haberlandt.
4. Tiroler Nagelen, Erzählungen von Klara Pölt- Nordheim. Verlags-anstalt Tyrolia", Innsbruck 1917.
Die bekannte Schriftstellerin bringt hier, aus der großen Kriegszeit in Tirol schöpfend,eine große Zahl von Skizzen aus dem Tiroler Volksleben, die alle um das große Themades Krieges gehen und den Charakter desselben als einen wahren Volkskrieg in hellesLicht stellen.
5. ,, Spiegelzauber", von Dr. Geza Roheim( Budapest), S.-A. aus„ Imago",V. Jahrgang, 1917, 2. Heft, Verlag Hugo Heller& Co. in Leipzig und Wien. In geistvollerWeise bringt Robeim den im Titel genannten Aberglauben in Zusammenhang mit derDreistufentheorie der Libidoentwicklung von Freud. Danach zeigt nämlich die Sexualitätdes Menschen von der Kindheit bis zur Reife vorerst ein autoerotisches Stadium( dem eigenen Körper zugewendete libido), dann ein solches des Narcissismus( demAbbild des eigenen Körpers zugewendete libido) und schließlich beim Erwachsenen dasder Objektwahl( einem Nebenmenschen zugewendete libido). Der Verfasser hättemeines Erachtens, in Anlehnung an die Arbeit des Referenten¹) wohl erwähnen können,1) Dr. Rudolf Trebitsch, Versuch einer Psychologie der Volks-medizin und des Aberglaubens, Mitt. d. Anthrop. Ges. in Wien, Bd. XLIII.1913, S. 171.