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Ethnographische Chronik aus Österreich.
daß es schließlich unmöglich wäre, sie fortzubringen, muß der Helfer vermittels einesweißhaslingen Steckens die Bahre immerfort abfegen. Schlag zwölf Uhr müssen sich aberdie beiden schon außerhalb der Friedhofsmauer befinden, sonst holt sie der Teufel.Gelingt es ihnen, zur rechten Zeit hinauszukommen, erhalten sie aber von diesem Holz-kohlenstückchen, welche sich, wenn sie in die Hand genommen werden, in Gold verwandeln.Als einmal ihrer zwei versuchten, auf solche Weise zu Reichtum zu gelangen,erwischte der Teufel den einen beim Überspringen über die Friedhofsmauer beim Mantelund riß von diesem ein gehöriges Stück ab.
2. Der beschriebene Stein.
Im Kummer, unweit der Kummerbrücke, befindet sich ein großer würfeliger Fels-block, auf welchem schriftähnliche Zeichen zu sehen sind. Mit diesem hat es folgendeBewandtnis: Ein Donner- Knecht hatte einst gegen Geld dem Teufel seine Seele ver-schrieben. Der Teufel sollte aber nur dann ein Anrecht auf die Seele bekommen, wenner während der Wandlung den mächtigen Stein nach Hieflau bringt. Die Wandlung gingaber früher zu Ende und so warf der Teufel den Stein am obbezeichneten Ort weg undfuhr wütend zur Hölle.
3. Der Amtmannsgalgen.
Wenn man vom Gesäuse aus eine kurze Strecke in das Johnsbachtal gewandertist, erblickt man rechter Hand in nächster Nähe der Straße zwei aufrechtstehende Fels-säulen, genannt Amtmannsgalgen. Diese Felsblöcke nahm einst der Teufel vom Hochtor,setzte sie an diese Stelle und wollte einen Amtsmann aus Admont, der ihm seine Seeleverschrieben hatte, erhenken. Nur sollte der Amtsmann vorerst einen Querbalken suchen,fand aber keinen. Darüber verstrich die Galgenfrist und der Teufel mußte unverrichteterDinge abziehen.
4. Ein Kampf mit dem Teufel.
Einstmals ging ein Almgeher alle heiligen Nächte vor großen Festtagen auf dieJohnsbacher Almen. Einmal aber erschien ihm unweit des Amtmannsgalgens der Teufelund begann mit ihm zu raufen. Lange blieb der Kampf unentschieden. Es kamen indessenschon Leute, die von Gstatterboden nach Johnsbach in die Kirche gingen. Diese erzähltendem Pfarrer, daß sie einen mit dem Teufel raufen sahen und baten, jenen aus der Gefahrzu befreien. Als aber der Pfarrer in der Nähe des Kampfplatzes ankam und der Teufelseiner ansichtig wurde, zerriß dieser den Almgeher in kleine Stücke und fuhr zur Hölle.( Schluß folgt.)
III. Ethnographische Chronik aus Österreich.
Volkskundliche Ausstellung des Kaiser Karl- Museums aus den besetztenBalkangebieten. Im großen Festsaale der Universität in Wien wurde am Samstag den5. Jänner d. J. in Gegenwart des Herrn Erzherzogs Leopold Salvator undeiner zahlreichen Versammlung, in welcher die militärischen Spitzen, die wissenschaft-lichen und künstlerischen Kreise der Residenz besonders stark vertreten waren, einewissenschaftliche Ausstellung zur Volkskunde der besetzten Balkangebiete eröffnet, welchedas k. k. Kaiser Karl- Museum für österreichische Volkskunde mit Unterstützung der Orient-Abteilung Glossar ::: zum Glossareintrag Abteilung des Kriegsministeriums veranstaltet hat. Es sind die Ergebnisse wissenschaft-licher und künstlerischer Arbeit im Felde, von Offizieren, die in Montenegro, Albanienund Altserbien den Wünschen und Weisungen des Kaiser Karl- Museums entsprechendethnographisch gearbeitet, gesammelt und beobachtet haben die Früchte einesZusammenwirkens von Front und Wissenschaft im Hinterlande, wie es vor dem Welt-kriege nie gedacht werden konnte. In seiner Eröffnungsansprache wies der Direktor desKaiser Karl- Museums Regierungsrat Prof. Dr. M. Haberlandt darauf hin, daß Öster-reich- Ungarn bereits durch einzelne Gelehrte in den besetzten Balkangebieten, namentlichin Albanien hervorragende wissenschaftliche Pionierarbeit geleistet hat. Auch das KaiserKarl- Museum hatte seine Sammel- und Forschertätigkeit bereits im Frieden auf diese