Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde24 (1918) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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24 (1918) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Goldstern.

Leider sind viele dieser Bilder bereits stark verwittert; mannimmt sich auch nicht mehr die Mühe, wieder neue herzustellen,sondern streicht sie nur einförmig mit greller Farbe an.

Auf diese Weise findet man heute Stirnbrettchen mit figuralenDarstellungen nur mehr auf einigen alten Bienenhäuschen und eswird wohl nicht mehr lange dauern, bis sie gänzlich aus dem Lammer-tale verschwunden sind. Derartige Bienenstirnbrettchen kommen auchin anderen Gebirgsgegenden, so zum Beispiel bei den Slowenen inKrain und in Kärnten vor, wo in den bildlichen Darstellungen derBrettchen häufig der Volkshumor und Volkswitz durchbricht.¹)

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Fig. 27. Bienenstirnbrettchen aus dem unteren und oberen Lammertale.

1. Das Christkindl von Filzmoos.2. Die heilige Familie, dat. 1879.

3. Der heilige» Amplosius( Schutzpatron derBienenzucht).

4. Landschaft( typisch die Vögel auf den Bäumen).

5. Christus beim heiligen Abendmahl.

6. Landschaft mit Gemse.7. Jagdszene.

8. Eine Holzknechthütte.

Von den zahlreichen Marterln, denen man im Lammertalebegegnet, verdient meines Erachtens nur eines der Erwähnung.Dieses befindet sich in der kleinen, im Wald verborgenen Klausek-kapelle, die etwa eine halbe Stunde von der Lienbachalpe entfernt ist.

Das Marter knüpft an folgendes Erlebnis an: Ein Abtenauer Bauer pflegte jedenSamstag auf die Lienbachalpe zu seiner geliebten Sennerin zu gehen. Als er eines Tagesauf dem Wege dahin ganz erschöpft vor Hitze bei der Klausekkapelle sich niedergelassenhatte, rief er aus: Wenn ich jetzt nur ein Roß hätte, das mich auf die Alpe tragenkönnte und wäre es auch der Teufel selbst!" Kaum hatte er aber diese Worte ausge-

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1) Professor M. Haberlandt: Österreichische Volkskunst. Wien 1911. S. 148.