Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde24 (1918) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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24 (1918) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Beiträge zur Volkskunde des Lammertales.

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Was den Küchenhausrat betrifft, so bietet er hier wohl wenig Eigenartiges. Von denHerdgeräten finden wir den auch sonst in den Alpenländern verbreiteten eisernen Pfann-knecht, ferner den niedrigen runden Dreifuß für Kochtöpfe und den bereits im Ver-schwinden begriffenen Feuerbock; dieser dient ja bekanntlich dazu, die Holzscheite beimFeuermachen über dem Bolen zu halten, um sie durch brennende Späne oder Glutleichter zu entzünden. Zum Aufhängen des großen kupfernen Wasserkessels dient hier wieauch anderwärts in den deutschen Alpenländern eine kranartige Vorrichtung aus Holz,die Kesselschwinge( Kesselhem"), deren Standsäule mit dem unteren Zapfen am Bodenoder auf der hölzernen Herdeinfassung ruht und in einigen alten Häusern bis zur Deckehinaufreicht. In dem beweglichen Arm der Schwinge steckt ein Holzhaken, der denKessel trägt und mittels eines Holzstiftes höher oder niederer gerichtet werden kann.( Fig. 5, 21-23.) Außer dem Wasserkessel findet sich hier noch vom Kupfergeschirr der

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schlanke Kessel für Schnaps-brennerei und die lang-stieligen Bratpfannen. Aller-dings ist infolge derKriegsmetallsammlung dasfrüher zahlreich vorhandeneKupfergeschirr auf dasMinimum reduziert worden.Tongeschirr ist durchwegsmodern und von der altenSalzburger Keramik ist imLammertale nichts mehrübriggeblieben. Eine eigen-artige Form von Nocken-brettchen fand sich in der

Fig. 7. Landwirtschaftliche und Kochgeräte, hochgelegenen Ortschaft

Lammertal.

Weitenau. Dieses bestehtaus einem flachen, vier-

eckigen 25 cm langen, mit einem Griff versehenen Brettchen, in das ein andereskürzeres quer eingreift und mit zwei Nägeln daran befestigt wird.( Fig. 7, 1.) LetzteresBrettchen soll die Hand vor Hitze und Versengung schützen, wenn der Nockenteigvon dem Längsbrettchen mit einem Eisenspatel in die kochende Suppe eingetropft wird.Diese Art von Nockenbrettchen soll früher im Lammertale allgemein verbreitet gewesensein; heute trifft man es nur sehr selten, da zu diesem Zwecke meist ein gewöhnlichesviereckiges Brettchen verwendet wird. Zum Abrahmen der Milch dient hier noch überallein zirka 25 cm langes, flaches, segmentförmiges Hölzchen( Rahmzweck*).( Fig. 7, 2.) Nur ineinem Falle, in der Trattbergalm, fand sich ein mit einem Griff versehener, einem Holz-messer ähnlicher Abrahmer.( Fig. 7, 3.) Die Reste vom Rahm werden in der Schüsselmittels eines kleinen, flachen, hobeleisenförmigen Holzbrettchens( Rahmschober") zu-sammengeputzt.( Fig. 7, 4.) Zum Räuchern des Fleisches sind fast in sämtlichen Küchender Breile nach Träme angebracht, auf die dann Rundstangen mit Fleischstücken gelegtwerden. Wenn aber im Winter nicht in der Küche, sondern in der Stube am Sparherdgekocht wird, pflegt man noch häufig, um das Feuer des offenen Herdes zu sparen, dasFleisch auf einer Selchsprudel" zu räuchern. Es ist dies eine zirka 2 m lange Holzstange,in der beiderseits Holzsprossen zum Aufhängen der Fleischstücke stecken.( Fig. 7, 5.) Frühersoll man zu diesem Zwecke ontsprechend beschaffene, reich verzweigte Baumäste ver-wendet haben. Die Selchsprudel wird vom Dach aus in den Schornstein eingesetzt unddort so lange gelassen, bis das Fleisch genügend geräuchert ist.

Die Einrichtung der Obergeschoßräumlichkeiten bietet wenig Bemerkenswertes. Inden Schlafkammern findet man noch vielfach bemalte Kästen und Truhen, die an eineranderen Stelle näher besprochen werden sollen. Im Vorhaus( Sojer") sind überall die massiven,innen drei oder vierteiligen Mehltruhen aufgestellt, worin die ganzen Mehlvorräte auf-