Mitteilungen aus dem Verein und dem k. k. Kaiser Karl- Museum für öst. Volkskunde. 97
5. Bericht des Kaiser Karl- Museums über die Übersiedlungs- und Neueinrichtungs-arbeiten.
Die beispiellose, in der gegenwärtigen Kriegszeit doppelt und dreifach erschwerteAufgabe der Übersiedlung der Museumssammlungen mit ihrem riesigen Umfang( zirka40.000 Objekte) und der unübersehbar mannigfaltigen Zusammensetzung einer volkskund-lichen Sammlung, eingerechnet des äußerst schwierigen Transportes der zahlreichen großenAusstellungskästen, Pulte, Vitrinen und sonstiger Installationsbehelfe des alten Bestandes,wozu noch die vom Naturhistorischen Hofmuseum und vom Österreichischen Handels-muzeum neuerworbenen zahlreichen Schränke, Doppelpultkästen und Vitrinen und der-gleichen kamen, ist dank dem aufopfernden unermüdlichen Zusammen-wirken der Museumsfunktionäre und der höchst dankenswerten Unterstützung,welche die Direktion von verschiedenen Seiten gefunden hat, in der Zeit vom 2. Jännerbis Ende Juni dieses Jahres in vollkommen befriedigender Weise programmgemäß durch-geführt worden. Ohne die rastlose und energievolle Unterstützung, welche dem Direktorin erster Linie durch den ihm zugeteilten Kustos Dr. Artur Haberlandt zuteil wurde,wäre es ihm gänzlich unmöglich gewesen, diese riesige und verantwortungsvolle Arbeitzu bewältigen. Auch der eifrigen Sekretärin Frau M. Ratkovits sei für ihre wertvolleBeiilfe herzlich gedankt.
Wärmster Dank gebührt für wertvolle Unterstützung in erster Linie Seiner Exzellenzdem Herrn Bürgermeister Dr. R. Weiskirchner und dem Herrn Direktor der elek-trischen Straßenbahnen J. Spängler für die gütige Beistellung von Lastenzügen derelektrischen Straßenbahn in den Nachtstunden, womit ein großer Teil des Kistentransporlesdurchgeführt worden ist; weiters dem hohen Kriegsministerium, speziell HerrnHauptmann Alfred Ritter v. Walcher( Vorstand der Kunstabteilung der patriotischenKriegsmetallsammlung) für die Beistellung einer größeren Zahl von Militärpersonen fürdie gesamten Transporte, nicht minder der Leitung der Österreichisch- Ungarischen Bank, insbesondere Herrn Oberinspektor Reil für die außerordentlich wert-volle und vielseitige Beihilfe, welche dieselben im Interesse der pünktlichen Einhaltung desAusziehtermines als unsere Mietnachfolger im Börsengebäude in willkommenster Weisegewährten. Weiters haben sich Frau Kommerzialrat Jenny Mautner durch kostenloseSpedition einer größeren Anzahl von Kisten material, sowie das k. k. ÖsterreichischeMuseum für Kunst und Industrie, das Technische Museum fürIndustrie und Gewerbe, Ihre Exzellenz Frau Gräfin Berchtold, einige Ab-teilungen des k. k. Naturhistorischen Hofmuseums, sowie einige Univer-sitätsinstitute, Herr Dr. R. Trebitsch, Frau Jenny Mautner bei der leih-weisen Beschaffung der über unsern eigenen Besitz hinaus noch erforderlichen 250 Kistengefällig erwiesen. Bei der 3 Monate angestrengtester und sorgfältigster Arbeit erforder-lichen sachgemäßigen Verpackung der Sammlungen haben wir uns auch der dankens-werten Unterstützung von Frau Professor Lola Haberlandt, Frau Dr. Marie Heinund des Herrn Franz Mucnjak zu erfreuen gehabt. Die Transportfirmen ZdenkoDworschak und M. Hanka haben die Transporte unter Beistellung von Militär-personen von Seite der Museumsdirektion zu entgegenkommenden Bedingungen besorgt.
Besonderer Dank gebührt auch, aber nicht nur aus Anlaß der Übersiedlung derMuseumssammlung, dem Präsidium und dem Generalsekretariat, sowie der Hausverwaltungder Wiener Börsenkammer. Durch 21 Jahre hatte sich das Kaiser Karl- Museumder stets bewährten Gastfreundschaft der Börsekammer zu erfreuen gehabt, welche ihrewertvollen Sympathien für dieses patriotische und wissenschaftliche Institut seit seinerBegründung durch Gewährung einer außerordentlich niedrig bemessenen Mietsummebewiesen hatte, Aus Anlaß der Übersiedlung hat die Börsekammer die betreffenden Arbeitenin jeder Weise erleichtert und begünstigt. Das Präsidium und die Direktion haben sichangenehm verpflichtet gefühlt, der Börsekammer ihren wärmsten Dank schriftlich zumAusdruck zu bringen, der hier auch öffentlich nochmals ausgesprochen sei.
Der Neuaufrichtung der Sammlungen im neuen Museums-gebäude mit seinen 46 großen und kleinen Ausstellungsräumlichkeiten, wozu noch dieEinrichtung von 6 Arbeits- und Kanzleizimmern sowie von 6 Werkstätten und Depôträumenkommt, hatte eine umfangreiche bauliche Umgestaltung des Hauses, sowiedessen gründliche Renovierung vom Dach bis zum Keller durch sämtliche Räumlichkeitenvorauszugehen. Hiebei wurde die Direktion vom Herrn Oberbaurat J. Koch und ArchitektenH. Fischel auf das sachkundigste beraten. Durch Aufführung eines Zubaues im Museums-hofe wurde zunächst eine für die ungestörte Zirkulation der Besucher im Hause und außer-dem als erheblicher Raumgewinn unbedingt notwendige Erweiterung geschaffen, die zugleichdem baukünstlerischen Eindruck der gartenseitigen Hauptfassade außerordentlich zugutekam. Den hiebei von der k. k. Zentralkommision für Denkmalpflege geäußerten Wünschenwurde so weit als nur irgend möglich Rechnung getragen. Eine große Anzahl von imLaufe der Zeit entstandenen Zwischenwänden wurden beseitigt, zahlreiche Türdurchbrücheund Türversetzungen vorgenommen, Fenstererweiterungen durchgeführt, endlich erfolgte einegründliche Reinigung, Neuverputz und völlige Neumalung im ganzen Hause. Die Durch-führung der gesamten Bauarbeiten war der bekannten Baufirma Emanuel Kamenitzkyübertragen worden, welche dieselbe in entgegenkommendster Weise zur Durchführung