Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde23 (1917) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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23 (1917) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Kriechbaum.

Dann treffen wir auf jeder Seite des Hauses eine Küchenstube, dienun freilich oft beiderseits einen kleinen Raum, der aber nur vondem Flur aus zugänglich ist, als dunkle Kammer abtreten muß.( Taf. IV, 2.) Eine Brettertür, die im Winter noch mit Stroh gepolstertwird und die mit einem eisernen Hebel schließt, führt uns in dieKüchenstube. In ihr spielt sich der größte Teil des Lebens der Bauern ab.

Sie ist vor allem Küche, gleich neben der Tür ist der Herd( bez)aufgemauert. Ein aus Ziegeln aufgebauter Kamin führt den Rauchin den Schornstein, der sich ja immer in der Mitte des Hauses erhebt.Die beim Kochen entstehenden Dämpfe verziehen sich durch einentrichter oder pyramidenförmigen Abzugschacht, der frei am Dach-boden oder in den Schornstein mündet. In der Fortsetzung des Koch-herdes( kuchnia) fehlt nirgends der gemauerte Backofen; auf seinemZiegelboden wird ein Feuer entzündet und nach Entfernung derglühenden Holzreste das Brot zum Backen hineingegeben. Die Feuer-glut kann direkt über die in gleicher Höhe liegende Herdplatte inden Herd geschoben werden, so daß Rauch und Qualm durch dasAbzugrohr entweichen, ohne daß die Zimmerluft verschlechtert wird.Das ist auch sehr notwendig, denn der von zwei oder drei Fensternnicht gerade reichlich beleuchtete Raum dient ja nicht nur zumKochen und Backen. Beim Fenster steht der rechteckige Tisch, danebeneinige Stühle und an der Wand, oft auch beim Ofen eine Bank. Überdiesem der Türe gegenüberliegenden Fenster sind zahlreiche, bunteBilder angebracht, Heiligenbildnisse, die schwarze Mutter Gottes vonČenstochau, der Zar und die Zarin, alles gewöhnliche Marktware inschreienden Farben. Das hübscheste an diesen Heiligtümern sind imSommer die vielen Blumen, die zwischen den Bildern, zu kleinenSträußen und Kränzen gewunden, aufgehängt sind; oft sind es wohlauch geweihte Blumen, wie man ja auch angesichts der immer wiederund reich geschmückten Wegkapellen nicht weiß, ob es sich hier umBlumenliebe oder Gottesliebe handelt.

Die Meskanie ist aber nicht nur Küche und Wohnstube; an derWand stehen noch zwei, gar drei hölzerne Bettgestelle, auf denenPölster und Tuchenten hoch aufgetürmt sind; an vier Stricken hängtvon der Decke ein aus Weiden geflochtener halbrunder Korb, dieRuhestätte des jüngsten Hausgenossen, herab. Oft ist in diesem vielbenützten Raum aber auch noch Arbeitsgerät aufgestellt; eine Hobel-bank, häufiger noch ein Webstuhl, an dem ein Familienmitgliedgrobes Linnen webt. Im Frühsommer sehen wir ja weithin die hübschen,blauen Leinfelder; im Sommer und Herbst riechen wir aus jedemTümpel die eingelegten Lein- und Hanfbündel; nach der Ernte hörenwir vor jedem Hause das Klappern der Brechel, die die Gespinstfasernvom unbrauchbaren Pflanzengewebe trennt, und an den trüben Winter-tagen verspinnen die Frauen den Flachs mit einer einfachen Hand-spindel( selten Spinnrad) und meist wird dann auch noch im Hause