Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde23 (1917) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
23 (1917) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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I. Abhandlungen und grössere Mitteilungen.

Das polnische Bauernhaus im Kreise Cholm.

Von Dr. Ed. Kriechbaum, Woislawize.

( Mit 10 Grundrissen.)

Die Kreisstadt Cholm liegt hinter uns; wir haben uns einemlandesüblichen Fuhrwerke anvertraut, einem leichten, langen Leiter-wagen, auf dem uns ein Bund Stroh als Sitz dient. Vier kleine Pferdeziehen uns mühsam auf der schlechten Straße südwärts der öster-reichischen Grenze zu.

Anfangs fahren wir noch durch ebenes, stark versumpftes Gebiet;die auf einer Höhe thronende Kathedrale des russischen Erzbischofsvon Cholm zeigt sich noch einige Stunden unseren rückschauendenBlicken die vergoldeten Kuppeln und Zwiebeln leuchten und funkelnnoch lange im Abendsonnenschein.

Unversehens ändert sich aber der Charakter der Landschaft,die vor uns liegt. Die kleinen Hügelrücken, die um Cholm nur ver-einzelt auftraten, werden geschlossener; sie bilden flachgewölbte Höhen-züge, die im allgemeinen von Ost nach West streichen; immer folgtauf eine solche Höhenwelle eine breite Talmulde, in der ein trägerBach zwischen versumpften Wiesen oder Moorflächen einerseits demWieprz, andererseits dem Bug zufließt.

So bleibt dann der landschaftliche Charakter auch weiter demSüden zu; nur werden die meist siedlungsarmen Höhenwellen bewaldet.In den versumpften Talmulden hingegen dehnen sich die Ortschaftenoft auf viele Kilometer aus.

Der Aufbau der Höhenrücken ist nicht allenthalben gleich; inbuntem Wechsel sehen wir an Bodenaufschlüssen fruchtbare, kalk-reiche Kreidemergel und ausgedehnte Löẞkappen; diese fallen schonvon weitem durch ihre starke Zertalung auf; in die oft 10 bis 20 mmächtigen, ungeschichteten Ablagerungen sind steilwandige Gräbeneingerissen, die sich noch bis in die Mergelschichten fortsetzen. WoLöẞ und Mergel zusammenstoßen, tritt gerne Quellwasser zutage,und diese Quellhorizonte lassen sich weithin verfolgen.

Angelockt durch diesen Quellenreichtum, haben sich hier auchganz unregelmäßig gestaltete Siedlungen entwickelt, die vom herr-schenden Typus stark abweichen. Die Häuser und Gehöfte stehenplanlos an den Hängen ober den reich verzweigten tief eingeschnittenenTälern.