Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde23 (1917) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
23 (1917) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Das Kaiser Karl- Museum für österreichische Volkskunde.

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18. Jahrhundertes. Kein Geringerer als Meister Johann Lukas Hilde-brandt, der Schöpfer des Belvedere, ist sein Baukünstler gewesen.Der berühmte Reichsvizekanzler Friedrich Karl Graf von Schönborn-Buchheim, späterer Fürstbischof von Bamberg und Würzburg, hatsich nach dem Jahre 1706 diesen Sommerpalast in höchst prunkvollerArt errichten lassen. Er war außen wie innen im erlesensten Ge-schmack der Zeit auf das glänzendste ausgestattet. Davon hat sichfreilich fast nichts in der langen wechselvollen Geschichte des Hauseserhalten, das mancherlei Zu- und Umbauten erfahren hat und mitstets sinkender Wertung seines historischen Charakters auf letzter,unterster Stufe zum Teil als Straßensäuberungsmagazin dienenmußte.

Mit der Unterbringung der vaterländischen Sammlungen desk. k. Museums für österreichische Volkskunde in einem solchen alt-historischen Bau befinden wir uns völlig in Übereinstimmung miteiner Strömung, der gemäß auch sonst volkskundliche Sammlungenvielfach im altertümlichen Baurahmen auftreten. So sind die Stadt-museen vielfach in den altertümlichen Rathäusern unserer Städteuntergebracht: das bekannte tschecho- slawische ethnographische Museumin Prag residiert im alten Kinsky- Palais, das Basler Museum in eineraufgelassenen Kirche wie auch das Kremser Museum, das NürnbergerGermanische Nationalmuseum in einem weitläufigen Klostergebäude,das junge sächsische Volkskunde- Museum im altertümlichen Jäger-hause zu Dresden. Wo kein altertümlicher Baurahmen zur Verfügungstand, hat geniale Architektenkunst doch freischaffend Anlehnung aneinen solchen gesucht; erlesene Beispiele sind das Bayerische National-museum zu München oder das Schweizerische Landesmuseum zuZürich. Ähnlich stellt nun das neue Haus unseres Museums, dasSchönborn- Palais, in glücklicher Stadtlage, in der Josefstadt, wo seitjeher geistige Luft wehte, nahe dem Stadtzentrum, nahe der Uni-versität und den Bibliotheken, ein Heim dar, das in seinem Zeit-charakter und in seiner jetzigen Schlichtheit mit bescheidenen Spurenalten Glanzes ganz und gar mit dem Charakter der Sammlungenharmoniert, die es aufnehmen soll. Die Blütezeit der österreichischenVolkskunst und der volksmäßigen Äußerungen nationalen Lebensliegt ja im 18. Jahrhundert. So dürfen wir mit dem gegebenen bau-lichen Rahmen vollauf zufrieden sein, zumal da der vorhandene Raumausreichend bemessen ist und das Erdgeschoß für mancherlei besondereMuseumszwecke mit seinen Wölbungen und anheimeinden Gelassengünstige Gelegenheiten bietet. Nur die Hof- und Gartenseite desHauses erscheint noch einer durchgreifenden Regulierung dringendbedürftig, wird aber dank dem erhofften Entgegenkommen der Stadt-vertretung ohne Schwierigkeiten zier- und sinnvoll auszugestaltensein, so daß der Blick vom Schönborn- Park auf das Museum zu einerkünstlerischen Sehenswürdigkeit Wiens zu werden verspricht.