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Haberlandt,
die größte und reichste volkskundliche Sammlung Europas geworden.Dieser wachsende und überquellende Reichtum aber war und bliebin enge räumliche Schranken gebannt; der Riesensaal des Börse-gebäudes wurde bald der Kerker unserer Sammlung, die vergebensüber die gezogenen Schranken auf die überhohen Saalwände, aufdie Außengänge, ins Stiegenhaus zu flüchten suchte. In spitzfindigster» Raumkunst« habe ich hier um jeden Fußbreit Schaufläche gerungenmit dem unvermeidlichen Ergebnis, daß das Museum sich immermehr aus einer sinnvoll geordneten Schaustellung in ein übervollesMagazin verwandelte. Zuletzt blieb nur mehr der Rückzug in dieSpeicher des Kellers, in Magazine außerhalb des Hauses, in das dunkleMassengrab von Kisten und Kasten übrig, anstatt mit diesen glücklichgeretteten Schätzen österreichischen Volkstums und vaterländischerHeimatkunst im Licht des Tages anregend, belehrend und vorbildlichwirken zu können.
Die Situation war wahrhaft kritisch und entmutigend. Die Mög-lichkeit, zu einem eigenen würdigen Heim für die angesammeltenMuseumsschätze, mit denen doch das Ansehen des Staates und seinerVölker vor dem In- und Ausland eng verbunden, wollte sich ernstlichnicht zeigen wiewohl zahlreiche gewichtige Stimmen sich zuseinen Gunsten erhoben. Da kam in der sich immer mehr steigerndenBedrängnis des Museums die Hilfe, der entscheidende Anstoß zueiner Änderung der Lage von außen, es kam Ende 1912 die Kündi-gung der Museumslokalitäten.
Wenn im bürgerlichen Leben die Mietaufkündigung immergelinden Schrecken und Verdruß mit sich bringt, nicht so die Kün-digung, die der nachsichtige Hausherr des Museums diesem in naheAussicht zu stellen endlich gezwungen war. Denn es erhob sichunter diesen Umständen angesichts der drohenden Obdachlosigkeitunseres Instituts nun mit aller Dringlichkeit die kategorische Forderungnach einem ausreichenden neuen Heim für die Unterbringung derreichen Museumssammlung. Nach manchen Fehlschlägen und Ent-täuschungen ward endlich 1914 ein solches im ehemals gräflichSchönbornschen Gartenpalast in der Josefstadt gefunden, den derGemeinderat der Stadt Wien in Würdigung der hohen Bedeutungunseres Museums, das ja mit vollem Recht eine wissenschaftliche undvaterländische Sehenswürdigkeit zu werden versprach, ihm zu billigenBedingungen überließ. Es war damit auch endlich wieder der er-freuliche Fall gegeben, daß man ein altes, seiner ursprünglichen Be-stimmung entfremdetes Gebäude neuen und würdigen Zwecken dienst-bar machte, statt es völlig verkommen zu lassen oder dem Erdbodengleichzumachen, wie es leider schon in anderen Fällen mehrfachgeschehen ist.
Der ehemals gräflich Schönbornsche Gartenpalast in der Laudon-gasse ist ein stattlicher ausgedehnter Barockbau aus dem Beginn des