Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde22 (1916) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
22 (1916) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Ethnographische Chronik aus Österreich.

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Die eigentliche Bescherung folgt aber erst zu Allerheiligen. Da macht der Firmlingseinem Paten die Aufwartung und erhält von ihm ein feines Hemd( den Oberleib und dieÄrmel von Kammertuch, den Unterleib von Leinwand), ein Paar Bundschule, ein seidenesHalstuch und ein ganzes Kleid, entweder Rock mit Hosen oder Kittel und Mieder, fernersechs Äpfel und in jedem steckt ein Silbersecbser. Zu Ostern erhält der Firmling jährlichvon seinem Paten rote Eier( Schecken).

betteln.

Bräute gehen vor der Hochzeit in der ganzen Umgebung um eine Aussteuer

Eine Braut bitt um a Haussteuer( sagt die Duenna).

Wenn der Brautwagen mit der Einrichtung der Braut in das Haus desBräutigams geführt wird, so wird auf dem ganzen Wege durch jedes Dorf, wo der Wagendurchpassiert, die Schnur gezogen; das heißt junge Burschen oder Mädchen halten einenStrick am Wege vor den Wagen und der Bräutigam muß sich loskaufen, was gewöhnlichmit zwei Silbersechsern geschieht. Jedoch an einigen Orten, wie zum Beispiel Ruben,fordert es der Brauch, daß er mit Gulden sich loskaufen muß; und wenngleich die Sachenur ein Scherz ist, so wagt es doch kein Bräutigam, sich dieser Abgabe zu entziehen,damit er nicht vor den Augen der Braut den Verdacht der Knauserei und Schmutzereinach sich ziehe. Es kommt diese Auslage gewöhnlich auf 4 bis 5 fl., ja nicht selten auf8 bis 10 f. K.-M.

Bei der Hochzeit muß jener Brautteil, der in das Haus des anderen geht, sei esnun Bräutigam oder Braut, den älteren und größeren Geschwistern etc. unter anderemein feines Hemd, den kleineren Geschwistern und Hausgenossen aber wenigstens einSchnupftuch zum Präsent machen. Die Prangerinnen müssen den reichen Kranz am Hutedes Bräutigams und des Brautführers sowie sämtliche Blumensträuße bestreiten.

Die Braut muß dem Bräutigam den Kranz auf den Hut schaffen und binden. DiePrangerinnen besorgen die Kränze für den Brautweiser und Sträuße für den Seelsorgerund Schullehrer und die übrigen Gäste, was ihnen samt den Seidenbändern wenigstens5. K.-M. kostet.

Auch gibt es bei der Hochzeit viele andere Gebräuche. Die Musik zieht zuerst insHaus des Bräutigams, wo gegessen und getrunken wird, dann zieht der Zug ins Haus derBraut, wo die Übergabe der Braut vor sich geht, dann geht der Zug erst zur Kirche,wenn nicht früher ins Wirtshaus.

Die Braut muß sich die Füße mit Branntwein waschen.

Nach dem Tode eines Erwachsenen wird bis in die halbe Nacht bei ihm gebetet.

III. Ethnographische Chronik aus Österreich.

Sammlungen zur deutschen Soldatensprache. Der Vorsitzende des Verbandesdeutscher Vereine für Volkskunde Prof. Dr. John Meier hat an die Verbandsmitgliederfolgende Mitteilung gerichtet:

Als Verhandlungsgegenstand beabsichtigt der geschäftsführende Ausschuß desVerbandes, der Abgeordnetenversammlung in Frankfurt auch eine Sammlung soldatischerVolkskunde, insbesondere von Soldatenlied, Soldatensprache und soldatischem Aberglauben,oder einzelner Teile dieser soldatischen Volkskunde vorzuschlagen. Die Erwägungen darüberund die Erkundungen, welche Wege am besten hierbei eingeschlagen werden müssen, sindnoch nicht abgeschlossen. Daher erwähnt die eben ausgegebene Nummer 22 der Mit-teilungen noch nichts darüber.

Wenn ich mich gleichwohl jetzt schon an unsere Mitglieder wende, so veranlaßtmich dazu ein Schreiben des Herrn Prof. Dr. Bergmann in Darmstadt, das er in ähnlicherForm an den Verband wie an einzelne Vereine gerichtet hat. Wie bekannt sein dürfte,plant Herr Professor Bergmann eine Sammlung der Soldatensprache des jetzigen Kriegesund hat unter dem Titel Wie der Feldgraue spricht" kürzlich eine kleine Probe einer

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