Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde22 (1916) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
22 (1916) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 
  

192

Kleine Mitteilungen.

Frage: Warum hat das Korn, wenn es aus der Erde sprießt, eine rötliche Blutfarbe?Antwort: Gemäß der Heiligen Schrift führte Kain seinen Bruder Abel auf dasFeld hinaus; dieses war aber ein Kornacker, eben angebaut, wo er ihn erschlug. Alsnun Gott dem Kain den Fluch gab, befahl er zugleich, daß zum ewigen Andenken andiese Bluttat das Korn blutig oder rötlich aufsprießen solle.

Frage: Wie bewirkt man in Andreasberg ein gutes Wachstum des Kohls?Antwort: Man muß ihn schrecken; daher geht ein Weibsbild am Tage desheiligen Johann des Täufers im Hemd aufs Feld, nimmt eine Rute und schlägt auf einigeKoblpflanzen los, dadurch werden die übrigen Pflanzen in Schrecken gesetzt und wachsenum so schöner.

Wie entstanden die Schwämme?

Auf seinen Wanderungen im Judenlande kam Christus der Herr mit dem heiligenPetrus in ein Dorf, wo eben Hochzeit gehalten wurde. Dem Petrus wässerte der Mundnach den guten Bissen, die dort zu bekommen waren, und er suchte seinem Lehrmeistereinzureden, daß er den Hochzeitleuten die Ehre seines Besuches schenken möge.

Wir werden dort einkehren, sprach der Herr Jesus, aber nichts als Brot und Salzannehmen, denn, wie es scheint, sind es arme Leute, die nicht viel zum Besten haben.So geschat es auch. Der Brautvater bot freundlich Brot und Salz als Willkomm an, wasauch dankbar angenommen wurde. Ferner hätte Petrus auch von den Krapfen genossen,die auf einer Schüssel so süß entgegendufteten, aber er getraute sich kein Wort zu sagen.Nach einer Weile nahm Jesus wieder Abschied, und da der Brautvater gesehenhatte, welche sehnsüchtigen Blicke Petrus auf die Krapfen warf, so steckte er ihm einigein die Tasche.

Jesus war einige Schritte vorausgegangen, und als sie durch einen Wald kamen,konnte Petrus der Verlockung nicht widerstehen, einen Krapfen zu essen. Kaum hatte er abereinen herzhaften Biß hineingetan, so schaute sich Jesus um und fragte ihn, was er da esse. Nichts," sagte Petrus und ließ den Krapfen heimlich ins Moos niederfallen.Jesus ging ruhig fort, als ob nichts vorgefallen wäre, und Petrus hinter ihm her.Nach einer Weile nahm er den zweiten Krapfen aus der Tasche, um seine Lust zubefriedigen; aber kaum hatte er ihn in den Mund gesteckt, so schaute sich Jesus wiederum und tat die nämliche Frage. Auch die Antwort war die nämliche, und so geschahes noch mehrere Male, bis sie endlich am Ende des Waldes zu einer Hütte kamen, dievon einem armen, aber frommen Ehepaar bewohnt wurde.

Ehe sie jedoch eintraten, redete Jesus den Petrus an:

Geh' zuvor in den Wald zurück und suche all die Nichts zusammen, die Du vorhinweggeworfen hast."

Beschämt ging Petrus zurück, um die Krapfen zu holen, und siehe! Sie hatten sichin lauter eßbare Schwämme verwandelt; da war der Pilz, der Brätling, der Zetterling u, s. w.Diese ließ der Herr Jesus in der Hatte zurichten und sie wurden gemeinschaftlich verzehrt.Von dieser Zeit an sind also die Schwämme die Lieblingsspeise der gemeinen Leute.

Frage: Warum sättigen die Waldbeeren nicht?

Antwort: Aus folgendem Grunde: Einigen Landleuten, welche im Walde Beerenpflückten, erschien Christus der Herr und frug sie, was sie da machen. Hätten sie inihre Verrichtung unverhohlen gestanden, so wäre es gut gewesen; aber sie antwortetenihm: Wir machen nichts." Von dieser Zeit liegt der Fluch auf den Beeren, daß ihr Genußzur Sättigung nichts ausgibt.

Steinwurz===== die Wurzel von Engelsüß( Polypodium vulgare), wird von den Knabeneifrig gesammelt, weil sie sehr süß schmeckt. Ich wußte lange nicht, warum denn diesesKryptogamengewächs in den Umgebungen von Lagau sich immer mehr verliert, so daßkaum eine Spur mehr davon zu finden ist, bis ich zu dieser Erfahrung gelangte.

Gfüll=

eine Speise in Honetschlag, wo junge Gänsefüßeln( Aegopodium) und anderesaftige Gewächse, selbst Erdäpfeltaschet, so lang es noch jung ist, gekocht, mit Schmalzübergossen und gespeist werden.