Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde22 (1916) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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22 (1916) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Volkslieder der Heanzen.

Ihr Augen vergeh'n, ihr Atem wird schwach,Drauf sinkt sie gleich nieder in ein finstresGemach.

Und als nun der grausame Winter verfloẞ,Kam im Frühling der König ins einsameSchloß.

So geht nun den Friedhof, den Hügel hinauf,Es wachsen schon gelbliche Blümlein darauf."

Da zog nun der König das schneidendeSchwert

Und streckte den trotzigen Ritter zur Erd'.

Da hast du den Lohn, du trotziger Mann,So hast du es an meiner Geliebten getan."

Da nahm nun der König das Kind auf sein RoßUnd traurig verließ er das einsame Schloß.

2. Das Lied von der Nonne. 1)Einst stand ich auf hohem FelsenUnd schau' hinein in das tiefe Tal,Da seh' ich ein Schiffelein fahren,Worinnen drei Grafen waren.

Der jüngste von diesen drei Grafen,Der in dem Schiffelein saß,Was gab er ihr zu trinken?Ein Wein aus seinem Glas.

Was zog er von seinem Finger?Ein goldenes Ringelein.

Nimm's hin, du Hübsche, du Feine,Das soll dein Angedenk' sein.

Was soll ich denn damit machen?Was soll ich denn damit tun?Bin ich ein armes Mädchen,

Hab' weder Geld noch Gut.

Bist du ein armes Mädchen,Hast weder Geld noch Gut,So gedenke an unsere Liebe,Die zwischen uns beid'n ruht.

Ich gedenke an keine Liebe,Ich gedenke an keinen Mann,Ins Kloster will ich gehen,Will werden eine Nonne.

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Wenns du' s ins Kloster willst gehen,Willst werden eine Nonn',So will ich die Welt durchreisen,Bis ich ans Kloster komm'.

Wie ich ans Kloster bin kommen,Klopf' ich ganz leise an:Heraus soll kommen die Nonne,Die zuletzt gekommen herein.Es ist ja keine gekommen,Wir geben auch keine heraus.So will ich das Kloster zerstören,Das schöne Gotteshaus.

Willst du das Kloster zerstören,Das schöne Gotteshaus,

Viel lieber soll kommen die Nonne,Die zuletzt gekommen herein.Auf einmal kam sie' s geschrittenIn einem schneeweißen Kleid,Ihre Haarelein waren geschnitten,Zur Nonne war sie' s bereit.Was gab sie ihm zu trinkenAus ihrem Becherlein?In vierundzwanzig StundenSchlief er ganz ruhig ein.Mit ihren zarten FingernMacht sie sein Gräbelein,Mit ihren zarten HändenLegt sie ihn selbst hinein.

1) Die Ballade der Nonne ist ein vielfach gesungenes Lied, das dem 15. Jahrhundertentstammen soll, auch aus Antwerpen bekannt ist; jede Fassung, die ich bisher gelesen,war verschieden. Vergl. Uhland, Die Nonne, 2. Buch, S. 96; Des Knaben Wunderhorn,S. 173; Böckel- Vilmar, Handbuch des deutschen Volksliedes, S. 169 bis 170.

Böckel- Vilmar bemerkt, daß die Strophe mit dem Glockenklang stimmungsvoll ist.Es fiel mir in der Ballade, die die Heanzen singen, die Strophe auf:

Was gab sie ihm zu trinken

Aus ihrem Becherlein?In vierundzwanzig StundenSchlief er ganz rnhig ein.

Schlief er von dem Trunke ein? Was gab sie ihm wohl zu trinken?

Wir geben auch die Melodie, die mit der Melodie aus der Iglauer Sprachinselsozusagen ganz übereinstimmt. Auch das Lied, das die Heanzen singen, ist dem Iglauersehr ähnlich. Pommer, Das Volkslied. Zeitschrift. V. Jahrgang, S. 86, auch S. 27.

Es ist bemerkenswert, daß unsere Fassung ähnlicher jener der Iglauer Sprachinselist, als zum Beispiel der Fassung, die Pommers Zeitschrift: Das Volkslied, im viertenBand, S. 51, aus Orth an der Donau mitgeteilt hat.