Der Brecheltanz im niederösterreichischen Wechselgebiete.
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Der Brecheltanz im niederösterreichischen Wechsel-
gebiete.¹)
Von Heinrich Moser, Wien.
In einigen nördlich vom Wechsel gelegenen Orten herrscht heutenoch die Sitte des Brecheltanzes. Es ist dies ein häusliches Fest, dasim Spätherbst nach Beendigung des Flachsbrechelns abgehalten wirdund in mit Tänzen und eigenartigen Spielen verbundenen Mahlzeitenbesteht. Das ganze Wesen des Brecheltanzes deutet auf ein sehrhohes Alter hin. Die Ansicht, daß in dem Brecheltanze noch Resteeines altgermanischen Erntefestes zu erblicken seien, wird wohlunwidersprochen bleiben. Infolge der wirtschaftlichen Verhältnissenimmt der Flachsbau auch in diesen Gegenden von Jahr zu Jahr abund mit ihm schwindet auch der Brecheltanz.)
Wenn im Spätherbst alle Feld- und Erntearbeiten verrichtet sind,wenn der rauhe Nordwind durch die entblätterten Bäume sausend dieLandleute eindringend an den herannahenden Winter mahnt undsie zwingt, ihre Tätigkeit mehr in die Nähe oder in den Innenraumdes Hauses zu verlegen, dann kommt die Zeit des Brechelns.
In einiger Entfernung des Hauses, da und dort außerhalb desOrtes, steht ein hüttenartiges Gebäude, die» Hoarstubn«. Die» Hoarstubn« zerfällt innerlich in zwei Räume, in die Dörrkammer und indie Brechelkammer. Erstere ist häufig gemauert und enthält einenKachelofen. An dem Gebälk der Decke sind bretterne Lagen an-gebracht, auf welche die Flachsstengel zum Dörren gebreitet werden.Die Brechelkammer besteht lediglich aus einem einfachen Holz- oderBretterverschlag.
Zwei Tage vor dem zum Brecheln bestimmten Tage wird derOfen stark geheizt, damit die Flachsstengel recht dürr werden. ZurNachbarschaft aber gehen Boten mit der Bitte, der Bauer möchte andem bestimmten Tage jemand zum Brecheln schicken, welcher Ein-ladung stets gerne entsprochen wird. Es werden so viele Personeneingeladen, daß die Arbeit an einem Tage vollendet werden kann.Es kommt da meist junges, lebensfrohes und übermütiges Volk zu-sammen, und zwar Burschen und Mädchen in ziemlich gleicher Anzahl.Je nach der Menge des Flachses wird mit der Arbeit schon zeitlichfrüh, manchmal schon um 12 Uhr mitternachts begonnen, und oftbringt jedes sein Arbeitswerkzeug, die Brechel, vom Hause mit.In dem zum Brecheln bestimmten Raume nehmen die Brechler in1) Viele Mitteilungen verdanke ich Herrn Oberlehrer Franz Scheibenreif in Tratten-bach am Wechsel.
2) Einem Brecheltanze, bei dem es hoch herging, hat Schreiber dieser Zeilen inThiermannsdorf bei Kranichberg angewohnt. Vergleiche auch die ausführlichen Dar-stellungen der Brechelbräuche in Kärnten durch Prof. Dr. G. Graber( diese Zeitschr. XVII,S. 148, 185), in Tirol durch M. Schmid( diese Zeitschr. XIX, S. 122) und im südlichenBöhmerwald durch Anton Schacherl( diese Zeitschr. XIX, S. 105 ff.).
Zeitschrift für österr. Volkskunde, XXI.
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