Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde22 (1916) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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22 (1916) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Volkslieder der Heanzen.

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Besonders der Rhythmus verändert den Charakter der Melodien oftauffallend; die Heimat der Melodie( wie dieselbe eben in einer Gegendgesungen wird) ist viel enger begrenzt als die des Liedes selbst; dieEigenart eines Volksstammes drückt sich besser in der Melodie alsim Liede aus. Die Melodie ist oder wird in geänderter Form boden-ständiger als das Lied.

Das ethnographische Moment liegt häufig weniger in dem Liedein der Melodie, als in der Vortragsweise. Die Melodie des Heanzen-liedes ist, wie seine Rede, langsam, gezogen. Während die Steirer-lieder( sehr häufig auch ihre frommen Lieder) mit Allegro bezeichnetsind, während auch die Kärntnerlieder sehr oft mit bewegt, sehrbewegt bezeichnet sind, konnten wir kein Allegro schreiben, undes schwingt sich das Tempo der Scherzlieder höchstens zu einemAllegretto auf.

Einige der Lieder sind wohl mit der Melodie so verwachsen,daß nur der geänderte Rhythmus den Unterschied der Heanzen-Sangesweise kennzeichnet.

Bei den Liedern ebenso wie bei den Melodien haben wir an-gemerkt, wo wir ähnliche Lieder und Melodien gefunden haben.

Als ähnlichstes Lied und Melodie fanden wir die Ballade:» Einststand ich auf hohem Felsen.« Da gibt es wirklich nur wenig Unter-schied in der Aufzeichnung unseres Liedes und unserer Melodieund der Aufzeichnung des Volksliedes aus der Iglauer Sprachinsel(» Das deutsche Volkslied«, V. Jahrgang, von Josef Pommer). Ziemlichviel Ähnlichkeit hatte noch das in vielen deutschen Gegenden ge-kannte Lied» Der geschlagene Mann«( heanzisch:»' s Pedlwaibl wüllkirifåartn gaiñ«) und» Es war einmal ein junges Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weib«( 3. Lieder-heft des deutschen Volkslied- Vereines in Wien, gesetzt von JosefReiter und Friedrich Koh 1, S. 14).

Interessiert hat uns der Umstand, daß wir in dem kleinenBändchen fränkischer Lieder( Dietfurth sche Sammlung, gesetztvon Pommer) im Verhältnis mehr Stücke zum Vergleichen fandenals in der großen Anzahl steirischer und Kärntner- Lieder, in welchenwir verhältnismäßig wenig Vergleichsobjekte vorfanden.

Aus der fränkischen Sammlung konnten wir bezüglich der Textemehrere vergleichen. Bezüglich der verglichenen Melodien kommennur zwei in Betracht: nämlich das Jägerlied» Ich wollt', ich könnt'ein Jäger wer'n« und das Soldatenlied» Kamerad, ich bin erschossen<<.

Die Melodien der Heanzen sind fast immer schwerfälliger,einfacher, naiver als ihr Vergleichsobjekt. Und doch drückt zum Bei-spiel diese einfache Heanzenmelodie im oben erwähnten Soldaten-liede, diese schweren gleichmäßigen Viertel in dem kleinen Umfangder Melodie die Stimmung des schwer lallenden Verwundeten besseraus als die schöner ausgebildete fränkische Melodie.