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Literatur der österreichischen Volkskunde.
erwähnten Krankheiten benützt. Die heute noch in Echternach in Luxemburgam dritten Pfingstfeiertag übliche Springprozession führt Martin auf ein ursprünglichderartiges Verfahren zurück, wo er die Möglichkeit des Entstehens aus der Krankheitselbst nebenbei zugibt. In der Kunst sind von den Holländern derartige Vorkommnissedes öfteren behandelt worden; dies beweist uns der Verfasser an der Hand von Repro-duktionen solcher Gemälde. Vor 1518 gab es, wie Martin berichtet, Tanzepidemien inKöln, Aachen, Utrecht, Maastricht, Lüttich, Tongern und Metz. Vonder Geistlichkeit wurde, wie wir erfahren, das Leiden als Besessenheit gedeutet und daherversucht, dem Patienten den Teufel auszutreiben. Der Name, Veitstanz" findet sich nichtin der Literatur zur Zeit des Auftretens dieser Epidemien. Er scheint sich erst danneingebürgert zu haben, als das Tanzen( nach 1518) als Vorbeugungs- und Heilmittel derbetreffenden Krankheiten angewendet wurde. Damals führte man die Tänze in der Kapelledes heiligen Veit, mitunter in der Johannes des Täufers oder in der des heiligen Willibrordauf. Von verschiedenen Seiten wurde auch der Versuch gemacht, die Erscheinungen mitdem im deutschen Volke üblichen Springen über die Johannisfeuer in Zusammenhang zubringen; dagegen wendet sich der Verfasser, meines Erachtens, mit Recht. Das Tanzen,welches bei den Epidemien vorkam, wurde nach Martin tage- und wochenlang fortgesetzt,bis der Betreffende erschöpft zusammenbrach. Aus den Schilderungen, die vorliegen, ziehtder Verfasser den Schluß, daß es sich auch nebenbei um hysterische und hysteroepileptischeKrämpfe handelte. Es ist sehr verdienstvoll, daß wir hier mit einigen in der Literatur,wie mir scheint, bisher unbekannten Fällen von Veitstanz bekanntgemacht werden. Wirerfahren, daß das zum Teil auf Aberglauben und Suggestion basierende Leiden heute nichtmehr existiert, besonders deshalb, weil der Aberglaube des„ Anwünschens" ganz erloschenist. Nur in der Echternacher Sprinprozession müssen wir mit Martin das letzte Über-bleibsel dieser Krankheit erblicken. Der in Italien zuerst im 15. Jahrhundert erwähnte
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Tarantismus" wird von unserem Gewährsmann, wohl mit Recht, mit dem Veitstanz ineine Parallele gebracht.Dr. Rudolf Trebitsch.
3. Innviertler Heimatkalender auf das Jahr 1915. Im Auftrage der„ InnviertlerHeimatkunde herausgegeben von Dr. Wilhelm Gärtner.
Heimat- und Volkskalender sind ein sehr wirksames Organ für die Stärkung undVertiefung des Heimatgefühls und des Sinnes für die eigene Volksart. Ein Kalender sprichtfast täglich zum Volke, man blättert selbst im Bauernhause neben der Bibel und demGebetbuche am liebsten in dem so notwendigen und nützlichen Büchlein. Wenn dann indemselben so eindringlich und beredt von den alten Sitten und Gebräuchen der Heimat,vom Bauernhause selbst, von der alten tüchtigen Arbeit und Lebensweise im Heimatkreisgeredet wird, so wächst still und stark der Mut und die Liebe zu dem eigenen Daseinund seinen kulturellen Bedingungen. Der vorliegende Heimatkalender erfüllt mit zahlreichensolchen Beiträgen aus der Feder bewährter Volkstumskenner, wie H. Hansjakob, EduardKyrle, Dr. Franz Berger, Fritz Holzinger, Hugo v. Preen und anderen mehr,seine Aufgabe aufs beste. Den schönen bildnerichen Schmuck des Heftchens hat mitgewohnter Kenner- und Meisterschaft Maler Hugo v. Preen geliefert. Im heurigen Kriegsjahrist auch die ruhmvoll bewährte kriegerische Tüchtigkeit der Oberösterreicher durch Feldpost-und Kriegsberichte zu Worte gekommen. Aus ganzem Herzen schließen wir uns demWunsche des verdienten Herausgebers Dr. W. Gärtner an, ein glorreicher Friede mögebald Raum schaffen für neue Arbeit im Dienste unseres Volkes und unserer Heimat!Prof. Dr. M. Haberlandt.
4. Unser Egerland. Monatsschrift für Volks- und Heimatkunde. Begründet undherausgegeben von Alois John in Eger. XVIII. Jahrgang. Eger 1914. Selbstverlag desHerausgebers.
Von größeren volks- und heimatkundlichen Aufsätzen dieses Jahrganges kommendrei in Betracht. Der Aufsatz„ Votive und Weibegaben Glossary ::: show glossary-entry Weibegaben in der Wallfahrts-kirche Mariakulm im Ęgerlande vom Herausgeber Alois John, schildertuf Grund zweier alter Quellenwerke( Friedr. Dörfel: S. Maria Culm, d. i. Gründliche