Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde21 (1915) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
21 (1915) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 

14

Sawicki.

Verhältnissen eines frisch kolonisierten Landes: die Hütte liegt alsoungefähr im Zentrum der Besitzung, ist rings von dazugehörigen, nachaußen wachsenden Äckern, Wiesen und Wäldern umgeben. Man kanndies oft in der Natur direkt beobachten, wenn man von einem Berg-rücken auf den gegenüberliegenden Berghang blickt. Da erscheint derWald, der ursprünglich den ganzen Hang bedeckt, gleichsam durch-löchert von gerodeten Flächen, die meistenteils abgerundet sind undin ihrem geometrischen Zentrum eine Paseke aufweisen. Je dichterdie Kolonisation und je weiter vorgeschritten sie ist, um so mehrnähern sich die einzelnen Paseken einander, die Waldgürtel, welchesie trennen, verengen sich und verschwinden schließlich ganz. Mankann hier nicht selten den historischen Prozeß auf einer photo-graphischen Platte erfassen.

Eines der schönsten Beispiele für solche Pasekenkolonisation sinddie sogenannten oberen und unteren Rožnauer Paseken( Paseki Dolní,Horni), welche in der Zahl von fast 200 die Hänge der Berge Chlacholovund Chlumchálky zwischen den Bächen Veřmiřovský, Kaní und Sladskýbedeckt haben. Die ältesten dieser Paseken entstanden erst im 18. Jahr-hundert, denn die Rožnauer Bürger hatten bis dahin genügend Platzim Tal. Später jedoch, als infolge des Niederganges der Hausindustrieim 19. Jahrhundert ein großer Teil der Bevölkerung gezwungen wurde,seinen Erwerb in anderer Richtung zu suchen, da trennten sich diejüngeren Söhne von der väterlichen Wirtschaft und gründeten auffrisch gelichtetem Waldgrunde neue Paseken wirtschaften. In einigenGegenden, die weiter nach Westen vorgeschoben sind, ist allerdingsdiese Kolonisation schon etwas älter.

Die niedrigsten der Paseken trifft man noch auf dem Grundeder Haupttäler, das heißt in einer Höhe von 350 bis 400 m. Die höchstenhingegen trifft man schon auf dem Hauptrücken der Beskiden an:nur auf dem Javorníkrücken gibt es keine. Die Ursache hievonist jedoch nur der Umstand, daß dieser Rücken ganz in herrschaftlichemBesitz sich befindet.¹) Doch auf der Tanečnica zum Beispiel fand ichsie schon in 800 bis 850 m( Léšcí), also auf dem Hauptrücken selbst.Merkwürdigerweise erhalten sich diese Paseken in einem tieferenGürtel auf dem mährisch- schlesischen Bergrücken, wo die höchsten( Valchařovy paseky) am Radhošt in 730 bis 750 m gelegen sind. Dervertikale Gürtel, in welchem wir also als Hauptsiedlungsformen diePaseken finden, umfaßt Höhen zwischen 350 und 750 m, folglich fastdas ganze Gebirgsterrain der Mährischen Walachei. Im einzelnenkönnen wir, je nachdem es sich um Hang- oder Rückensiedlungenhandelt, Hang- oder Rückenpaseken unterscheiden; obwohl beideTypen oft nebeneinander vorkommen, überwiegt doch in einzelnen

1) Ich kenne nur ein einziges Beispiel, wo aus einem einstigen Salasch eine aller-dings sehr hochgelegene Paseke entstanden ist, nämlich die Paseke Na Kasárni in Karlowitz,die 950 m hoch, also nur 30 bis 50 m unter dem Hauptrücken liegt.