Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde21 (1915) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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21 (1915) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Almen wirtschaft und Hirtenleben in der Mährischen Walachei.

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deckten ihnen den Rücken und zwangen sie nicht zu Verteidigungs-maßregeln, die große Summen von Energie verzehrt hätten. Diesesvon der äußeren Weit durch lange Zeit wie abgeschnittene Gebirgs-land hat auch darin seine konservierende Wirkung gezeigt, daß inder Mährischen Walachei sich nicht geringe Reste der böhmischenProtestanten erhalten haben. Eine Reihe von Gemeinden, besondersum Wisowitz( Visovice) und Wsetín herum, ist bis heute demProtestantismus treu geblieben und von der Gegenreformation nichterreicht, respektive nicht überwältigt worden.

Die Siedlungs-, Kultur- und Wirtschaftsformen, die wir in derMährischen Walachei antreffen, sind im großen und ganzen gleichoder ähnlich den entsprechenden Former der mährischen Niederungund gehören dem Herd der westeuropäischen Kultur an. Die Ab-weichungen und lokalen Eigentümlichkeiten sind im allgemeinenleicht aus den besonderen Bedingungen des geographischen Milieuszu erklären. Das Überwiegen der Waldwirtschaft, der extensiveCharakter der Landwirtschaft, die schwache Entwicklung der Industrie,die zerstreute Siedlungsform der Gebirgsrücken, die Eigenart derSprache, der Sitten und Gerätschaften, auch des Hausbaues sind dieunmittelbaren Folgen dieser natürlichen Ausstattung des Gebirges,seines Holzreichtums, seiner ungünstigen klimatischen Verhältnisse,seiner Abschließung etc. Nur eine einzige Wirtschafts- und Siedlungs-form mutet uns hier eigentümlich an, sowohl deshalb, weil eigentlichfür sie die natürlichen Existenzbedingungen fehlen, besonders aber,weil sie in ihrer Form, den mit ihr verknüpten Anschauungen, Sitten,Rechtsverhältnissen und sprachlichen Eigentümlichkeiten als einfremdes Element zu betrachten ist, das uns an Osteuropa gemahnt,speziell an die östlichen Karpaten, und das offenbar in die MährischeWalachei importiert wurde. Wir meinen die selbständige kleine Vieh-,besonders Schafzucht und das mit derselben verbundene eigenartigeHirtenleben. Dessen eingehender Besprechung wollen wir uns nunzuwenden.

II. Die Almenwirtschaft in der Mährischen Walachei,ihre geographischen, historischen und kulturellenGrundlagen. ¹)

In diesem natürlichen und kulturellen Milieu entwickelte sichin alter Zeit und erhielt sich in Trümmern bis auf den heutigen Tagein System von Hirtenwirtschaft, das zu den heute herrschendenVerhältnissen in einem gewissen Gegensatz steht und infolgedessenabsterben und verschwinden muß. Denn die Verhältnisse, aus denensich jenes System ergab, waren nicht von der Art, daß sie beimHöheraufblühen des kulturellen Lebens und bei einer Zunahme der

1) Vergl. zum Folgenden an vielen Stellen die Kartenskizze( Fig. 1), auf der alleauf meinem Reiseweg besuchten und erkundeten Almhütten und schafzüchtenden Pasekengenau angegeben sind.