Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde20 (1914) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
20 (1914) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Mitteilungen aus dem Verein und dem k. k. Museum für östery, Volkskunde. 189

4. Museumsbesuch.

Der Ausschuß hat beschlossen, mit Rücksicht auf die eingetretene Kriegslage denEintrittspreis für den Besuch des Museums an Wochentagen von K 1 auf 40 Heller zuermäßigen. Militärpersonen und Schüler haben jederzeit freien Eintritt, ebenso Schulenunter Führung von Lehrpersonen.

Gutachten über die Sammlungen des k. k. Museums für österreichische Volkskunde.

1.

Die Sammlungen des k. k. Museums für österreichische Volkskunde haben michsowohl hinsichtlich der Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit in höchstem Grade interessiertund mit Staunen habe ich wahrnehmen müssen, mit welcher Intensität hier in so kurzerZeit ein Material von unschätzbarem Werte zusammengetragen worden ist. Nicht nur, daßkaum ein einziges Gebiet vernachlässigt wurde, es zeigte sich vielmehr bei eingehenderBetrachtung, daß auch auf den einzelnen Gebieten der Bedeutung der verschiedenen Spiel-arten mit Recht ein breiter Raum zugestanden wurde. So ist es gelungen, hier ein Volksgutzu sammeln, wie es kaum ein anderes Land aufzuweisen hat. Freilich kommt infolge dergänzlich unzureichenden räumlichen Verhältnisse der reiche Bestand des Museums demnicht eingeweihten Besucher kaum zur genügenden Kenntnis, da leider der größte Teilder Sammlung noch in Truhen, Kästen und Schränken verpackt liegen muß und somitauch das Bild der Sammlung sich nur ungenügendich möchte sagen nur skizzen-haft darbieten kann.

Ich halte es deshalb für eine unbedingte Notwendigkeit und nicht länger zurück-zuweisende Forderung, daß endlich diesen einzigartigen Schätzen vergangener Kultur eineentsprechend würdige Unterkunft geschaffen werde. Was heute in einem oder zweiRäumen untergebracht ist, läßt sich meines Erachtens leicht auf wenigstens 30 bis 40, janoch mehr Räume verteilen, und es dürfte sich gerade mit Rücksicht auf die vielenVarianten eines Stils, wie się sich zum Beispiel in der Bauernkeramik, der Möbelkunst,den Textilien etc. zeigen, eine möglichst weite Aufstellung der einzelnen Gruppen empfehlen,da wir bekanntlich hinsichtlich der Kenntnisse auf diesen Gebieten eigentlich noch ganzam Anfange stehen.

Eine besondere Beschleunigung und Förderung der schwebenden Projekte hinsicht-lich geeigneter Unterbringung oder, besser gesagt, einer museologisch einwandfreien Auf-stellung dürfte aber auch schon deshalb geboten erscheinen, weil die ständig fortschreitendeErschließung des Landes durch die Eisenbahnen nicht allein die Gefahr eines Verlustesder noch an Ort und Stelle befindlichen Zeugen alten Volkstums durch Händler insich birgt, sondern weil dadurch auch das Studium und die Kenntnis alter Gepflogenheitenund Gebräuche immer mehr und mehr verwischt zu werden droht. Gerade deshalberscheint es aber auch wichtig, daß die Herren, denen es gelungen ist, das Material zu-sammenzutragen und die mit den Objekten nach ihrer Herkunft, Zweckbestimmung,Stil und Spielart vertraut sind, auch die Aufstellung und Einordnung der Gegenständeübernehmen. Nur dadurch kann verhütet werden, daß die Traditionen, denen bekanntlichin der Volkskunde eine unschätzbare Bedeutung zukommt, verloren gehen.

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Endlich kann nur eine sachgemäße Aufstellung der Gegenstände die Zukunft undden weiteren Ausbau der Sammlungen sichern, denn nur ein klarer Überblick über dieGesamtbestände kann die bindenden Fäden und wechselseitigen Strömungen früherer oderwenig beachteter Kulturen darlegen und kann Aufschluß darüber geben, wo sich nochauszufüllende Lücken in der Sammlung finden. Und endlich kann nur eine ständige Augen-vertrautheit mit den Objekten den Endzweck des Museums in Aussicht stellen: dieMöglichkeit der wissenschaftlichen Verarbeitung dieses einzig-artigen Volkserbes und Volksgutes.

Zeitschrift für österr. Volkskunde. XX.

Prof. Dr. Ph. M. Halm

K. Konservator des Bayer. Nationalmuseumsin München.

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