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Literatur der österreichischen Volkskunde.
Von dem Reichtum Kreuzensteins gibt die vorliegende prächtige Veröffentlichunggewolltermaßen nur einen Teil: das Mobiliar und die Glasfenster, diese aber vollständig.Bei der immensen Zahl und der außerordentlich großen Mannigfaltigkeit der Sammelobjekte( Waffen, Holzschnitzwerke, Steinskulpturen, Metallarbeiten, Textilien, Keramik u. s. w.)wäre es schlechterdings unmöglich gewesen, auch nur das Hervorragendste in jeder Artin einem einzigen Bande vorzuführen, selbst wenn man sich bloß auf Abbildungen be-schränkte. So bildet neben Ansichten der Burgteile und deren Haupträumen das mit denBauteilen in nächster und engster Verbindung stehende Sammlungsmaterial: das Mobiliar,den Haupteil vorliegender Publikation, von der wir übrigens gern hoffen möchten, sie seinur die erste in einer stattlichen Reihe ihresgleichen. Vom Standpunkt der österreichischenVolkskunde und Volkskunst sind zahlreiche der abgebildeten Mobilien des 11. bis 16. Jahr-hundertes von hervorragendem Interesse: lehren sie doch, daß die Bauernmöbel unserer Alpen-länder vielfach ganz alte Formen treu bewahrt haben. Unter diesem Gesichtspunkt möchteich besonders auf die Pustertaler Giebelschränke( Tafel 138 und 139), auf die sächsischenSatteldachtruhen aus Siebenbürgen mit ihrer sehr frühen Ornamentierung( Tafel 108-110)aufmerksam machen. Zur Formgeschichte des mitteleuropäischen Möbels sind für Schrank,Tisch und Stuhl ganz einzigartige Belegstücke beigebracht. Der Herausgeber Alfred Ritterv. Walcher, als einer unserer ersten, eifrigsten und verständnis vollsten Sammler undKenner weltbekannt, hat mit der Auswahl durchwegs das Richtige getroffen. Seinen kurzenund prägnanten Bestimmungen der Objekte liegen, wie sich der Kundige überzeugt, überalltiefgründige Studien zugrunde, wovon einzelnes der wissenschaftlichen Literatur bekanntlichbereits zugute gekommen ist, anderes noch erhofft werden kann.
Eine sehr erfreuliche Beigabe des herrlichen Werkes bildet die interessante Burg-und Baugeschichte von Kreuzenstein aus der Feder des Hofrates Paukert. Das ganzeBuch ist auch in seiner Ausstattung ein würdiges Denkmal des edlen Burgherrn und seineseifrigsten Mitarbeiters und wird, sofern dies überhaupt noch möglich, dem herrlichen Baumit seinen unvergleichlichen Schätzen noch mehr Bewunderer schaffen.
Prof. Dr. M. Haberlandt.
20. Sagen aus Kärnten. Gesammelt und herausgegeben von Dr. Georg Graber.Leipzig. Dieterichsche Verlagsbuchhandlung, Theodor Wecker. 1914. 8º, XL+ 458 S.
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Es ist eine überaus verdienstliche Tat des bewährten Sagenforschers Dr. G. Grabergewesen, dem wir bereits die religionsgeschichtliche Analyse zahlreicher bedeutungsvollerSagen verdanken, angesichts der fortschreitenden Bedrohung und Vernichtung des ein-heimischen Sagenstoffes mit großer Mühe, Umsicht und freudigem Eifer an eine umfassendeSammlung des gesamten kärntnerischen Sagenmaterials aus allen Quellen, die sichdarboten, gedruckte und ungedruckte, besonders aus dem Volksmund gegangen zu sein.Nicht weniger als 613 Nummern darunter sechs Siebentel selber zusammengebrachte-finden sich in dem stattlichen Bande vereinigt. Die Sammlung berücksichtigt die deutschewie die slawische Überlieferung des Landes in gleicher Weise, wobei feststeht, daß wiein anderen kulturellen Dingen die Slowenen Kärntens auch in ihrem Sagenschatz vielrein deutsches Gut übernommen und bewahrt haben. In 18 Hauptgruppen ist die Massedieser Sagen geordnet, wobei diejenigen animalisch- seelen kultlichen Inhaltes voran stehen,die christlich- kirchlichen folgen und die Geschichtssagen den Beschluß machen. Von demReichtum des gesammelten Stoffes mag die nähere Mitteilung der Anordnungsweise einenBegriff geben. Der Sagen von Wassergeistern gibt es 16, von Baumgeistern 5, von Berg-und Waldgeistern 33, von den badischen Leuten 8, den saligen Frauen 11, Lindwurm-sagen 8, Wildeleutsagen und Berchtrasagen 36, von den Totenseelen im Berg 11, Schatz-sagen 59, von Schlangen und verwunschenen Seelen 17, von wandelnden Seelen( Toten) 61,von Zauberern und Hexen 45, Teufelssagen 62 u. s. w. Es folgen zahlreiche Kirchen-gründungssagen, Legenden und ähnliche kirchliche Erzählungen; den Beschluß machendie Geschichtssagen, Ortssagen und Verwandtes( 130), von denen die Türkensagen undFranzosensagen hervorgehoben werden mögen.
Es ist, im ganzen betrachtet, der typische Sagenschatz einer Gebirgsbevölkerung,was bei geographisch- landschaftlicher Anordnung des Sagenstoffes klarer hervortreten