Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde20 (1914) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
20 (1914) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Mitteilungen aus dem Verein und dem k. k. Museum für österr. Volkskunde.

So zeigt uns die Analyse eines wenn auch nur beschränkten Gebietes der russischenVolkskunst, welch weite wissenschaftliche Perspektiven das Studium ihrer Objekteeröffnet. Es wird der Weiterführung desselben zum dauernden Vorteil gereichen, daß esvom Grafen Bobrinsky mit dem vorliegenden Werke und Text auf eine so hohe Stufekritischer Besonnenheit und Objektivität gegenüber allen Fragen bezüglich des Ursprungsund der Einflüsse, welchen die Volkskunst im Verlaufe ihrer historischen Entwicklungunterworfen war, gestellt worden ist.Dr. Artur Haberlandt.

13. J. Leisching: Das Erzherzog Rainer- Museum für Kunst undGewerbe in Brünn. Verlag Anton Schroll, Wien 1913.

Man mag es mit der Erreichung des Fruchtalters sorglich gepflegter Bäume ver-gleichen, wenn jetzt die kunstgewerblichen Museen nacheinander ihre Schätze in erlesenausgestatteten Publikationen dem Publikum darbieten. Erst vor kurzem ist die wertvolleund schöne Festschrift des Grazer Joanneums zu seiner Jahrhundertfeier erschienen, nunbreitet ein illustrativ vornehm ausgestattetes Tafelwerk auch den Besitz des ErzherzogHainer- Museums vor uns aus.

Es sind nicht bloß Vorbilder für Kunst und Industrie, es ist vor allem ein wohl-abgerundetes Stück deutscher Kultur, das aus ihnen zu uns spricht, und die Direktorendes Erzherzog Rainer Museums dürfen sich rühmen, den Blick in dieser Hinsicht immerauch aufs Ganze ihres Instituts gerichtet zu haben.

Der Wert eines derartigen Materials auch für die Erkundung der Volkskunst ist zuoft gewürdigt, um darüber noch allgemeine Bemerkungen zu verlieren.

Im einzelnen sei bemerkt, daß derartige Wandverschalungen, wie sie das Museumin einem Exemplar aus Schaffhausen besitzt, mit der naiven Darbietung einer ringsumsichtbaren Landschaft als unmittelbare Vorbilder für bäuerliche Kunstleistungen derselbenArt anzusehen sind, die selten, aber doch existiert haben. Ein derartiges Unikum mitSzenen aus dem Alpenleben" aus dem Zillertal ist vor wenigen Jahren aus dem Besitzedes Kunsthändlers Colli in Innsbruck nach Amerika gewandert. Truhe Tafel XIX, Nr. 38ist ein typisches Oberinntaler Stück, nur durch vorzügliche Ausführung in das Bereich desKunstgewerbes gehoben. Überraschend ist die Ähnlichkeit des aus Mähren stammendenKastens Tafel XXIII, Nr. 45 mit typischen Pinzgauer Möbeln. Der Reproduktion der Gegen-stände gebührt alles Lob, nur gegen das Arrangement der mährischen Majoliken möchtenwir ein Bedenken laut werden lassen. Die guten alten Habaner Arbeiten verdienen diegleiche Behandlung wie sämtliche anderen kunstgewerblichen Leistungen, das heißt manbilde sie einzeln ohne dekorativen Aufbau ab; ein solcher ist nach unserem Geschmackin Reproduktion überhaupt unstilgemäß und hier auch unsachlich, da er nicht zusammen-gehörige Stücke zusammenmengt.

Im übrigen vermögen wir dem Museum zu seiner schönen Publikation und seinerSammlung als dem noch vielfach unerschöpften Quell derselben nur zu gratulieren.Dr. A. Haberlandt.

V. Mitteilungen aus dem Verein und dem k. k. Museum für öster-reichische Volkskunde.

Anläßlich des erschütternden Ablebens des erhabenen VereinsprotektorsSeiner k. u. k. Hoheit des durchlauchtigsten Herrn

Erzherzogs Franz Ferdinand

wird das Präsidium im Herbst dieses Jahres eine feierliche Trauer-versammlung des Vereines für österreichische Volkskunde veranstalten.