Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde20 (1914) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
20 (1914) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 
  

Literatur der österreichischen Volkskunde.

143

oder das Verzehren der geweihten Ostereier, um Glück zu haben. Das Palmkätzchen, dieWeidenblüte, ist am Palmsonntag Ersatz im Norden für die echte Palme und bedeutetdasselbe wie letztere, die den Sieg des Heilands über den Satan symbolisiert, und das Eiist Sinnbild der Auferstehung. Um ein haltbares glückbringendes Osterei zu besitzen,wurden solche aus Wachs, die zuweilen heilige Szenen bergen, angefertigt.

Auch ein Mittel für das Gedeihen des Viehes.1)

Herumziehende Krämer verkaufen sogenannte Haussegen und Stallsegen". Es sinddies mit Heiligenbildern und Sprüchen versehene Zettel, gewöhnlich in der Größe 43: 34 cm.Diesen Zettel läßt man zuerst weihen, und zwar zu Maria Lichtmeß( 2. Februar) bei der Kerzenweibe Glossar ::: zum Glossareintrag  Kerzenweibe in der Kirche. So in allen Gauen Salzburgs. Im Lungau sind ferner so-genannte Hauslehren der Brauch, das heißt der Geistliche kommt während der Fastenzeit aneinem Tage in das Bauernhaus und hält den Leuten eine Art kurzer Predigt, belehrt sieüber gut und schlecht u. s. f. Wird genannt die Hauslehre". Dann weiht er auch denHausaltar, die Marien- Kerzenstöckel, die Sterbkerzen und dergleichen, wobei man auchHaus- und Stallsegen mitweihen lassen kann. Im Bauernhause wird nun der Haussegenan die Haustüre genagelt, der Stallsegen" an eine der Stalltüren. In den Gebirgsganenkommt ein Stallsegen auch auf die Tür des Stalles auf der Alpe. Nach dem Aufnagelnwerden die auf dem Segen angegebenen Gebete gesprochen.( Oder auch nicht; je nachdem starken Glauben.) Manche beten später auch noch einigemale, wenn einem StückVieh etwas fehlt und ähnliches. Wird der Zettel im Laufe der Zeit ganz zerrissen undzerfetzt, so wird ein neuer gekauft.Landwirtschaftslehrer Hamza.

Opferhaufen.

Von Dr. G. Vidossich, Capodistria.

Dieser von Anton Dachler im XX. Bande Seite 50 und im XIX. Bande Seite 204besprochene Gebrauch ist auch in Italien bekannt und wurde zuletzt von Raffaele Pettazzoniin den Sitzungsberichten des ersten italienischen ethnographischen Kongresses( Atti delprimo Congresso di Etnografia italiana, Rom- Perugia 1912, p. 139–140)beschrieben.

Als ältesten Beleg führt Pettazzoni die Stelle bei Dante, Purgat. III, 127–129an, wonach Manfred, Sohn Friedrichs II., am Fuße der Brücke von Benevent begrabenwurde und alle Soldaten einen Stein aufs Grab warfen, so daß ein Haufen entstand. Demgelehrten Forscher Giuseppe Pitré ist es gelungen, Parallelen hierzu aus der Gegend vonVicenza, aus der Romagna und den Abruzzen aufzuspüren( Archivio tradiz, pop,XIX, 527 ff.). Er erzählt die Geschichte vom kalabresischen Räuber Nino Martino, der vonden Gendarmen bei Aspromonte getötet und von seinen Genossen in der Weise begrabenwurde, daß jeder von ihnen einen Stein auf den Leichnam warf. Noch jetzt unterläßt kaumein Vorübergehender, seinen Beitrag zum sonderbaren Denkmal zu liefern.

Was die Bedeutung des Brauches anbelangt, begnügt sich Pettazzoni damit, derAnsicht Andrees, es handle sich um einen animistischen Aberglauben( Bannung des Geistesdes Getöteten unter dem Steinhaufen, damit er nicht die Lebenden belästige), jene Frazersgegenüberzustellen, der einen magischen Akt annimmt, womit sich der Werfende von derUnreinheit der Stelle zu befreien trachtet( Le rameau d'or, Paris, 1903, II, 238 ff.).

IV. Literatur der österreichischen Volkskunde.

1. Besprechungen:

10. Lungauer Volksleben. Schilderungen und Volksbräuche, Geschichten undSagen aus dem Lungau. Von Michael Deng g. Brüder Salesy, Tamsweg 1914. 8°, 195 S.;K 3.60.

1) Vergl. hierzu den Leonhardkult. Diese Zeitschrift Jahrgang V, S. 70-79( Blau).X, S. 129-140( Blau); X, S. 225-232( Haberlandt). Derselbe wird im ganzen KronlandeSalzburg stark geübt.

10*