Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde20 (1914) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
20 (1914) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Blau.

» Auch ein Herrgottschnitzer hat sich in Tachau sowie an fastallen größeren Orten des Böhmerwaldes angesiedelt. Als ich ihn be-suchte, arbeitete er gerade an einem 4 Fuß langen Christus ausLindenholz, welcher bei ihm für den Preis von 18 fl. bestellt war.Bei der Sorgfalt und Meisterhaftigkeit, mit welchen einzelne Teiledieser Bildhauerarbeit durchgeführt wurden, ist dieser Verdienst eingeradezu kümmerlicher, denn mehrere Wochen bringt dieser geborneKünstler mit seiner Arbeit zu.

Auch hat er weder im Zeichnen noch im Modellieren einenUnterricht genossen, was er kann, hat er von seiner Frau Muttergeerbt.<< ¹)

Fig. 27. Ecce homo.( Höhe 1 m, Birnbaumholz.) Von Johann Rumpler.

Der Tachauer Tischlermeister Ignaz Haubner hat sein Handwerkzur völligen Kunsttischlerei ausgebildet. Von seinen Arbeiten sindnamentlich der kunst- und stilvolle Altar in der Anna- Kirche beiBernetzreith wie der Altar in der Kapelle des Dr. Gärtner- Spitals inNeulosimtal anzuführen. Sein jüngerer Sohn führt für seine Möbel-arbeiten die nötigen Schnitzereien selber aus.

Fachlehrer Ignaz Schöffi aus Tachau lehrt an der dortigen Fach-schule Drechslerei sowie Bildhauerei für gewisse Drechslerarbeitenund beschäftigt sich in seinen Mußestunden mit Schnitzerei. Früherwar an der Tachauer Fachschule auch ein Lehrer für Schnitzerei an-gestellt. Als sich aber für dieses Fach wenig Teilnahme zeigte, wurdedie Lehrstelle aufgelassen und der Fachlehrer Max Jäger wurde nachHall in Tirol versetzt. Johann Schmalholz, der Sohn eines Witting-reither Lehrers, besuchte vor Jahren das Technologische Museum inWien und erlernte die hausindustrielle Drechslerei und Schnitzerei,

1) Allgem. Forst- und Jagdzeitung, 1872, 64.