Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde20 (1914) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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20 (1914) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Engelbrot( Not- und Hungerbrot).

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Baste befreite,' im Frühjahr von den mittleren Stämmen gewonneneRinde war früher sogar offizinell. Nach Dioskurides, I, 112, wurdendie frischen, gekochten Blätter als Zukost wie ein Gemüse verwandt.d) Die Verwendung der Linden rinde( Tilia europea) haben

wir oben schon beim Sauerampferbrote erwähnt.

Rehe und Hasen nagen oft im Winter den Bastteil von saft-reichen Bäumen an, vielleicht war dies ein Vorbild für die Ver-wendung anderer Baumrinden als Notnahrung für den Menschen( vergl. das Anbohren der Birkenbäume).

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» Die Mühle«<, 1913, Nr. 40, S. 881, schreibt über das schwedischebork- bröd Borken brot:» Man legt die weiche Rinde der Kiefer( Pinus silvestris) etwa 14 Tage lang in fließendes Wasser, trocknet,zerpulvert und verbäckt sie mit so viel Mehl, daß dadurch einZusammenhalten bewirkt wird. Hefe kommt nicht hinein, eine Zutatvon etwas Salz wird schon als Luxus betrachtet. Das durch v. Berg( 1854) mitgebrachte Rindenbrot stammte aus der sogenannten Finn-mark im nördlichen Wermland, einer sehr armen Waldgegend; eswird indessen zu Zeiten der Hungersnot in den weiter nach Nordenzu liegenden Provinzen Helsingland, Jemtland u. s. w. ebenfalls

gegessen.<<<

Dieselbe literarische Quelle( S. 880) und die» Prähistor. Zeitschr.<<,1912, IV, 166 bis 169, berichten von einem Brotfunde aus einemöstergöthlandischen, sogenannten Wikinger Grabe( 800 bis 1050 n. Chr.):Ein dichtes, verkohltes, 6 cm im Durchmesser fassendes und 17 cmdickes, flachscheibiges Brot bestand aus grobgemahlenen Ackererbsen.( Pisum sativum) und Fichtenrinde. Im» Zentralblatt für Anthro-pologie«, 1912, 386, wird ein sogenanntes» Schaubrot« in diesemWikinger Brote vermutet, aber mit Unrecht, nachdem doch Ulmen-und Kieferrindenbrote als wirkliche Nahrung nachgewiesen sind,Schaubrote aber auf germanischem Boden bislang noch nicht; es wareben ein Notbrot wie das schwedische Borkenbrot( s. o.).

Die schon seit der Tertiärzeit in Europa heimische Wasser-nuß( Trapa natans) hat sich schon seit prähistorischen Zeitenimmer mehr vermindert; sie war damals wild wachsend im ganzenmittleren und nördlichen Europa verbreitet( Hoops,» Waldbäume undKulturpflanzen«, 335); sie diente den Thraziern als Brot:» Thracesipsi nucleo tribuli vivunt panem facientes prædulcem«( Plinius, XXII, 27).Dioskurides( IV, 15) bestätigt diese Angabe. Soranus( I,§ 77) be-nützte deren Mehl wie einen Brotteig zu Kataplasmen. Matthiolus,334 B, sagt( 1626):» Das arme Volk iẞt die Wassernuß wie Kastanienund sonderlich in der theueren Zeit kochen sie diese Frucht oderdörrens und stoßens zu Pulver und backen Brot daraus.« Im 18. Jahr-hundert wurde die Wassernuß von den Mönchen des Klosters Sittichin Krain in ihren Teichen kultiviert.( Hoops, 1. c.) Wasserkästen(= Kastanie) heißt sie in der Steiermark, aber als» Engelbrot«,