Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde20 (1914) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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20 (1914) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Zur Geschichte und Verbreitung des Fladenbrotes in Europa.

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jetzt die Zugehörigkeit des Mondseer Brotes an das schweizerischeergeben, da es wie dieses aus Weizen hergestellt ist.

In den bronzezeitlichen Pfahlbauten zu Dolina( Bosn.- Gradiška)und Velem St. Veit in Ungarn stand, wie Vejsil Ćurčić ¹) berichtet,an Stelle der beiden erhitzten Steine oder der Asche, welche überden auf einer heißen Unterlage aufliegenden Teig gestreut wurde,eine tönerne Backglocke in Verwendung. Diese wurde über den Teiggestülpt und erhielt in ihrem Innern die nötige Backwärme, welchedem erhitzten Untergrunde( Herdsteinen oder ähnlichem) entströmte.Alle eben angeführten Brote, welche mitteleuropäischen Fund-plätzen entnommen sind, dürften dem Anscheine nach ohne Sauer-teig hergestellt worden sein. Es spricht dafür ihre auffallendeNiedrigkeit, ihre breite Form und auch ihre große Haltbarkeit. Selbstdie Wikkingergräber und die vorgeschichtlichen Niederlassungen inÖstergötland enthalten so flache, breite, grobmehlige Brotscheiben,daß die Annahme von einem Fehlen des Sauerteiges eine sicher be-rechtigte ist. Die betreffenden Kuchen waren aus grobem Gersten-mehl, beziehungsweise Erbsenmehl und Kiefernborke gebacken.

Aus dem ansgarischen Birka kennt man auch kleine flacheBrötchen, auf dünnem Bronzedraht aufgesteckt; in Bezug auf das ver-wendete Material sind diese Funde jedoch noch nicht untersucht.2)

Auf ähnliche Weise wie in den Pfahlbauten hergestelltes Brot,nämlich ohne jedwedes Gärungsmittel auf heißen Steinen unter Aschegebacken, finden wir im Angelsächsischen als» heord bacen hlaf« undselbst noch im Mittelhochdeutschen als» ascherbrot«,» aschenbrot«<. ³)

Es reicht also seine Bereitung hier in ihrer ältesten Form bis inspäte historische Zeiten herein, ein Vorgang, der auch in anderenGebieten, wie wir sehen werden, in so ziemlich der gleichen Weisestatthat.

Die Säuerung ging von Ägypten aus, das am frühesten einegewerbliche Bäckerei kannte, nahm ihren Weg über Griechenlandund Rom und wurde im 4. nachchristlichen Jahrhundert den germani-schen Stämmen bekannt, welche die neue Errungenschaft an Littauerund Slawen weitergaben. Während, wie Benndorf 4) schreibt, nochheutzutage in Ägypten, Syrien und Kleinasien ein schwach gesäuertesBrot genossen wird, dessen Zubereitung sich von der ehemaligenkaum unterscheiden dürfte, hat sich in Südeuropa bald das Gewerbeder Kunst der Brotbereitung bemächtigt und es darin zu einer großenAusbildung gebracht. Benndorf verweist auf eine Mitteilung in Plinius

¹) Vejsil Ćurčić, Rezente Pfahlbauten von Donja Dolina in Bosnien. Wien 1913.( Ergänzungsheft IX zu Band XIX) der Zeitschr. f. öst. Volkskunde. S. 45 ff.

2) Vergl. B. Schnittgen, Einige vorgeschichtliche Brotfunde aus Schweden. Prähistor.Zeitschr. IV. 1912. S. 166 ft.

3) Hoops a. a. O.

4) O. Benndorf, Altgriechisches Brot. Sonderabdruck aus Eranos Vindobonensis".