Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde20 (1914) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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20 (1914) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Haberlandt.

kommt jedoch auch Nebeneinanderschaltung von Wohn- und Wirt-schaftstrakt unter demselben First vor, diese Form überwiegt sogarin der Strecke von Canazei bis Campitello; weiter abwärts bis Vigoscheint die Hintereinanderschaltung der Trakte beliebter; in Vigoselbst macht sich schon stark italienischer Einfluß an diesen Bautenbemerkbar, indem dieselben im Wohntrakt fast durchgängig gemauerterscheinen. Auch verdient wohl vermerkt zu werden, daß nach H. vonSchürer fast ausschließlich diese Einheitshäuser es sind, die Fresken-schmuck tragen; ¹) es scheint dies im Verein mit der Mauerung daraufhinzudeuten, daß dieser Typus hier mit dem Auftreten geschultererBaumeister zusammenhängt, auch bei den reinen Holzbauten setztübrigens zum mindesten die Vergrößerung des Dachstuhles dasselbe

St.

Ka

Ka

St. H

L

Hausgang

Ka.

16 Ka.

Ka.

.

B.OX

Fig. 5. Wohngeschoß des Hauses Nr. 14

in Runggaditsch, Gröden.

Fig. 6. Wohngeschoß des Hauses

Fig. 3 in Wolkenstein.

L: Laube.

b: Ofen.

HA: Hausflur.

Ab: Abort.St: Stube.

K: Trichterkamin, seitlichdaneben der Herd.

L: Laube.Ab: Abort.

O: Ofen,

X: Herd.BO: Backofen.

voraus. Die unter den Fresken vorfindlichen Jahreszahlen reichenetwa bis 1680 zurück, womit allerdings nicht die äußerste Alters-grenze dieses Haustypus gewonnen sein muß, der uns auch noch inSoraga und Sorte begegnet.( Fig. 10 und Grundriß Fig. 11.) Weiter talaussind zunächst die Beziehungen zwischen deutscher und italienischerBauweise recht interessante. Typische Paarhöfe begegnen wir nurmehr in Sorte und Forno; die Holzkonstruktion des Wohntrakts wirdmeist schon durch Mauerung ersetzt; immerhin stellt letzterer Ortden letzten Vorposten ausgesprochen deutscher Bauweise im Fleims-tale dar.

Andererseits reicht der charakteristische Vertreter italienischerBauart, das ganz aus Stein erbaute Kolonnenhaus mit pyramidalzulaufendem Dach, zu dessen Eindeckung Ziegel( Mönch und Nonne)verwendet werden, etwa bis Moena, das ist genau bis zur Sprach-grenze. Rein italienisch sind dortselbst auch Gewölbekonstruktionen,beziehungsweise Rundbogenstellungen vor den Ställen. Der Haupt-sache nach begegnen wir jedoch von hier angefangen im gesamten

1) Zeitschrift f. österr. Volksk., 1912, S. 22.