Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde20 (1914) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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20 (1914) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Haberlandt.

wird, die neueren Stadel zeigen im Dachstuhl dieselbe Konstruktionwie die Häuser, auch hier verwendet man Legschindel zur Be-dachung. An älteren Stadeln sind Hochlauben in der Regel nuran einer Giebelseite zu finden, zum Trocknen der Futtervorräte sindhier wie ja auch sonst ganz allgemein in den Alpenländern ein paarQuerstangen in halber und ganzer Manneshöhe eingezogen. FürBrennholz pflegt man an den Ecken je ein Paar halb S- förmig gekrümmteBirkenstämme und dergleichen in entsprechender Entfernung von-

Fig. 3. Ältestes Haus in Wolkenstein( Doppelwohnung).

einander zwischen Boden undBrustwehr einzuziehen, siehängen wie Teile eines Fenster-korbes nach außen, das Holzwird in der Ausbauchung queraufgeschichtet. An den neuerenBauten sind diese Querbalken,beziehungsweise Trockenge-rüste zu einem förmlichenNetz zusammengewachsen, dasgroße Teile des Stadels oderselbst alle vier Wände desBaues in regelmäßigen Maschenumgibt; die ganze Konstruk-tion kragt etwa 1 bis müber das gemauerte Erdgeschoẞdes Gebäudes vor. Diese Ge-rüste werden» Palancins« ge-nannt und bilden eine an-scheinend allerdings verhält-nismäßig spät, etwa vor 100Jahren aufgekommene Eigen-tümlichkeit der Grödner Wirt-schaftsbauten.( Fig. 7.)

Paarhöfe aus Gebäuden dergeschilderten Art zusammen-gesetzt, überwiegen bei weitemim unteren und mittleren Grödnertal etwa bis St. Christina. Von hieran begegnen wir vielfach kleineren ärmlicheren Wirtschaften. Dasgeringe Besitztum der einzelnen Familien äußert sich, soweit es sichum neuere Bauten handelt, darin, daß Stadelbauten mangeln. Amangeblich ältesten Hause in Wolkenstein finden wir dagegen eineauch anderwärts in Tirol sowie auch in der Schweiz anzutreffendeEigentümlichkeit, daß nämlich zwei Familien das dem First nach in zweiHälften geteilte Haus bewohnen. ¹) Auch der Stadel wurde im vorliegen-den Falle in der Firstlinie durch eine eingezogene Blockwand aufgeteilt.

1) Vergl. Dr. G Baumeister a. a. O. S. 42 etc.