I. Abhandlungen und grössere Mitteilungen.
Beiträge zur Kenntnis des Tiroler Bauernhauses.
Von Dr. Artur Haberlandt, Wien.
( Mit 15 Textabbildungen.)
Auf einer Wanderung, die mich im Sommer 1913 durch dasGrödnertal, das Fassa- und Fleimstal bis Cavalese, das Eggental unddas Schnalser- und Pitztal nach Nordtirol führte, ließ ich es mir an-gelegen sein, so viel Material als in der kurzen Zeit immerhin möglichwar, zur Kenntnis der in den Tälern vorkommenden Haustypen auf-zusammeln. Wenn ich dasselbe unvollständig, wie es ist, der Öffentlich-keit übergebe, so geschieht dies hauptsächlich aus dem Grunde, da wirbis heute in Tirol, namentlich im Süden, kaum noch zu einer Fest-stellung der für die verschiedenen Gebiete charakteristischen Lokal-typen gelangt sind, geschweige denn in eine vergleichende Behandlungderselben nach dem bisher publizierten Material einzugehen vermögen.So können vielleicht auch die hier gebotenen flüchtigen Aufzeichnungendie eingehendere Untersuchung mancher Probleme anregen und fördern.Sie berücksichtigen hauptsächlich die Frage nach charakteristischenDetails der Baukonstruktion in den einzelnen Tälern, die wechsel-seitigen Beziehungen deutscher und italienischer Bauweise im Fleims-tale, ferner das Problem der Gruppierung, beziehungsweise Ver-schmelzung von Wirtschafts- und Wohngebäuden in den genanntenTälern und die sich daraus vermutlich ergebenden Konsequenzen;die Frage nach charakteristischen Formen der Grundrißlösung undderen Herkunft wurde dabei kaum berührt.
Ich lasse nun zunächst eine Schilderung der einzelnen Täler inKürze folgen.
Im Grödnertal überwiegt bei den dort gebräuchlichen Bautypenweitaus die Gruppierung der Gebäude zum Paarhof, wobei Wohnhausund Stadel meist mit parallelen Firsten senkrecht zur Talachse neben-einander stehen( Fig. 1), der Stadel wird bisweilen ein klein wenignach rückwärts verschoben. Manchmal verlangen örtliche Verhältnissejedoch auch eine Querstellung des Stadels; die der Tradition nachältesten Häuser des Tales( Runggaditsch Nr. 10, ein anderes, Figur 2,am Grödnerbach ob St. Ulrich und Figur 3 in Wolkenstein) zeigen,daß beide Möglichkeiten seit alter Zeit nebeneinander ausgenütztwurden. Oberflächlich betrachtet scheinen die meisten Wohnhäusermit ihrem schmucken weißen Verputz gemauert zu sein, doch ver-birgt die Tünche vielfach Blockwände, was auch noch für neuere
Zeitschrift für österr. Volkskunde. XX.
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