Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde19 (1913) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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19 (1913) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Graber.

es mancher Genossin bei gleichen Anlässen noch schlechter ergeht.Damit die Mäher diese alte Sitte nicht außer acht lassen, führenmanche Mädchen sogar Trutzreden, womit sie auf den Sinn desBrauches abzielen, um den Mut der Burschen zu wecken:» Wir sindnoch ganz trocken, alles ist dürr. Heuer werden uns die Kittelbrechen« und dergleichen. Man erwartete davon offenbar eine wohl-tätige Wirkung auf das Wachstum. Es ist aber zugleich ein symboli-scher Akt, bei welchem der oben berührte sinnbildliche Zug hinsichtlichdes Regenzaubers und Generationsritus zutage tritt. Unzweifelhaft hatdies im Vorjahre eine Verhandlung beim Landesgericht in Klagen-furt erwiesen, die folgenden Tatbestand zur Grundlage hatte. Ineinem mittelkärntischen Orte wurde am Tage der Heuernte einMädchen von mehreren Burschen gewaltsam erfaßt und, nachdemman ihr die Röcke vollständig zurückgeschlagen, derart unter einemBrunnen festgehalten, daß das Wasser sich auf den Unterleib ergoß.Sämtliche Zeugen, darunter alte Leute, bestätigten, daß es sich dabeidurchaus nicht um einen obszönen Scherz, sondern um einen altenBrauch gehandelt habe, den keine Beteiligte je übel auffasse.( Reich-liche Belege für verwandte Formen des Regenzaubers bei Mannhardt,B. K., 327 ff.)

Die Analogie solcher Bräuche läßt vermuten, daß bei Ausübungdes Regenzaubers an der Statue des heiligen Mannes ein ähnlicherGedanke mitspielte und eben deshalb nur ein Mädchen geeignetscheinen mochte, die magische Handlung vorzunehmen.

Wie der bekannte, von Burkhard v. Worms( 1025) in derRheingegend vorgefundene Regenzauber ist auch der unsere nochnicht zu einer periodisch wiederkehrenden Handlung geworden,sondern wird nur im Notfalle angewendet. Gegenüber den zahlreichenBräuchen dieser Art bietet die kärntische Sitte nichts wesentlichNeues; nur fällt der Umstand auf, daß er sich in der Kirche undsozusagen unter den Augen der Geistlichkeit vollzieht. Wenn somitdie Voraussetzungen für das Fortleben des Regenzaubers imHeidentum Glossar ::: zum Glossareintrag Heidentum liegen, so entsteht die Frage, was wohl die Kirche ver-anlaßt hat, nicht daran zu rühren, ja ihn sogar im Gotteshaus zudulden. Offenbar erreichte sie dadurch in ihrem Sinn einen, Vorteil,der wohl nur darin bestanden hat, daß andere heidnische Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnische Zeremonien,die mit dem Brauche früher verbunden waren, abgestellt wurden.Beide Teile kamen dabei zu ihrem Recht: das Volk, welches nochin christlicher Zeit an seinen alten Kultformen festhielt, wie dieKirche, der es darum zu tun war, die krassesten Auswüchse desHeidentums Glossar ::: zum Glossareintrag Heidentums zu beschneiden. Das Abwaschen der Statue bildete ebenursprünglich nur den Abschluß einer Zeremonienreihe, deren erstergrößerer Teil sich unter freiem Himmel abspielte, was bei den Neu-bekehrten um SO bedenklicher war, als öffentliche Handlungenimmerhin eine größere Menschenmenge aus nah und fern herbei-