VOLKSKUNDE IN ÖSTERREICH
NACHRICHTENBLATT DES VEREINS FÜR VOLKSKUNDE IN WIEN UNDDES VEREINS ETHNOGRAPHISCHES MUSEUM SCHLOSS KITTSEE
Jahrgang 42
Wien, September 2007
SEUM
VOLKS
BIBLIOTHEK
OSTERS
Der Verein für Volkskunde in Wien gibt die traurige Nachricht, dass Herremer. Univ. Prof. Dr. Dr. h.c. Leopold Kretzenbacher
am 21. Juni 2007 im 95. Lebensjahr verstorben ist.
Folge 7
Professor Leopold Kretzenbacher wurde am 13. November 1912 in Leibnitz in derSteiermark geboren. 1936 promovierte er an der Universität Graz mit einer Arbeitzum geistlichen Volksschauspiel, ein Thema, das ihn Zeit seines wissenschaftlichenLebens begleiten sollte. 1939 habilitierte er sich mit einer Arbeit zur epischen Volks-dichtung der Slowenen. Ab 1940 wirkte er als Dozent und ab 1950 als Professor fürVolkskunde in Graz. 1961 folgte er einem Ruf an die Universität Kiel und 1966 wur-de er zum Ordinarius des Instituts für deutsche und vergleichende Volkskunde derUniversität München berufen, dessen Leitung er bis zu seiner Emeritierung 1977innehatte. Die inhaltlichen Schwerpunkte der wissenschaftlichen Arbeit LeopoldKretzenbachers liegen besonders in der volksreligiösen Brauch-, Erzähl- und Bild-überlieferung. In ausgedehnten Feldforschungen und interdisziplinärer historischerHerangehensweise überspannte sein Blickfeld den gesamten Zentral- und Südosteu-ropäischen Raum. Nach seiner Emeritierung kehrte Professor Kretzenbacher wiederin die Steiermark zurück, blieb aber auch weiterhin der Münchner Volkskunde ver-bunden. Sein Schaffen blieb ungebrochen bis zuletzt. Noch 2004, im hohen Alter von92 Jahren, lieferte Leopold Kretzenbacher in der Österreichischen Zeitschrift fürVolkskunde eine meisterliche Analyse zu zwei Ölbildern zur byzantinischen Kreuz-erhöhung im Burgenland. Das Oeuvre Kretzenbachers umfasst zahlreiche Bücher,weit über 400 Aufsätze und etwa 650 kleinere Beiträge und Rezensionen. Eine Reihehoher in- und ausländischer Ehrungen würdigten dieses bedeutende Gesamtwerk.1998 verlieh der Verein für Volkskunde in Wien seine höchste Auszeichnung, dieMichael Haberlandt- Medaille, an Leopold Kretzenbacher. Mit ihm verliert Österreichden letzten Vertreter der großen„, alten" Volkskundlergeneration des 20. Jahrhunderts,denen das Fach viel zu verdanken hat. Wir gedenken seiner in großem Respekt undgroßer Dankbarkeit.
Die Direktion des
Österreichischen Museums für Volkskunde
Der Vorstanddes Vereins für Volkskunde
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