41. Jg./2006
Volkskunde in Österreich
Folge 4
den Geschehnissen in der Laudongasse regen Anteil. Nach seinem Studium der Ge-schichte und Germanistik war Lein zunächst als Gymnasiallehrer tätig gewesen,wechselte dann aber in das Unterrichtsministerium, wo er seine berufliche Karriereals Sektionschef beendete. In dieser Funktion war er stets für Verein und Museumberatend tätig und alle, die ihn gekannt haben, werden ihm ein ehrendes Angedenkenbewahren.
STIFT ZWETTL. Prälat Bertrand Baumann, Altabt des Stiftes Zwettl f.- Betrübtgeben wir Nachricht von einem weiteren Todesfall aus dem engeren Freundeskreisunseres Vereins und Museums. KR Bertrand Baumann, OCist, Abt des Stiftes Zwettlvon 1980 bis 1992, ist am 17. Februar 2006 im Alter von 88 Jahren in Zwettl verstor-ben. Abt Bertrand wurde am 24. Juni 1917 in Traunstein im Waldviertel geboren. Erwar Sängerknabe in Stift Zwettl, maturierte in Schlierbach, studierte Theologie inHeiligenkreuz und nach dem Krieg im Canisianum in Innsbruck. Anfang der 60erJahre wurde ihm die Administration des stiftseigenen Weingutes Gobelsburg übertra-gen, und in diese Zeit datiert auch seine Berührung mit der Volkskunde in der WienerLaudongasse. Zusammen mit Leopold Schmidt entwickelte er im Schloss Gobelsburgein Konzept für einen Museumsbetrieb, der von 1966 bis 2000 als Außenstelle desÖsterreichischen Museums für Volkskunde geführt wurde. In einer Dauerausstellungwaren dort Möbel, Keramik sowie bemaltes und geschliffenes Glas zu sehen undinsgesamt 21 Sonderausstellungen zu verschiedenen Themen der klassischen Volks-kunst und Volkskunde. Emil Schneeweis entwickelte 1981 für Gobelsburg eineneigenen ,, Bildstockwanderweg", der, wie die meisten der Ausstellungen, in einemKatalog dokumentiert ist. Die jährliche Fahrt im späten Frühjahr zu den Ausstel-lungseröffnungen nach Gobelsburg bedeutete für viele Vereinsmitglieder einen Hö-hepunkt des Vereinsjahres. Dies war nicht zuletzt der Persönlichkeit und Gastfreund-schaft Pater Bertrands zu verdanken, der das Weingut Gobelsburg zu wirtschaftlicherund kultureller und später auch die angeschlossene Pfarre zu geistlicher Blüte geführthatte. Für seine Verdienste um die österreichische Volkskunde wurde P. Bertrandvom Verein für Volkskunde 1974 mit der Michael Haberlandt Medaille ausgezeich-net. Nach dem durch seine Wahl zum Abt von Stift Zwettl 1980 unumgänglichenAbgang aus Gobelsburg, der ihm persönlich nicht leicht gefallen ist, konnte der Geistdieser gemeinsamen Arbeit noch einige Jahre weiter getragen werden, doch ohneseinen Spiritus rector war Gobelsburg nicht mehr derselbe Ort. Dem Wiener Museumund einigen seiner Mitarbeiter blieb Abt Bertrand aber bis zu seinem nunmehrigenLebensende sehr verbunden. Wir betrauern den Verlust einer warmherzigen, bewun-derungswürdigen Persönlichkeit und eines wahren Freundes. R.I.P.
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