Heft 
8 (1973) 1-10
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Jg. 8/1973

Volkskunde in Österreich

BERICHT

" Bauernmöbel aus Österreich"

Ausstellung des Österreichischen Museums für Volkskunde

im Schloßmuseum Gobelsburg

Folge 6

Das ganze weite Obergeschoß des barocken Schlosses Gobelsburg bei Langen-lois ist den Zeugnissen der alten künstlerischen Volkskultur Österreichs ge-widmet. Seit Jahren wird in den Prunkräumen die schöne Volksmajolika ge-zeigt. Zu dieser wichtigen alten Keramik sind schon von Anfang an Möbeldazugestellt worden.

Heuer ist der ganze Nordtrakt mit der hohen" Sala" dem alten Möbelgewidmet. Man kann eine solche Ausstellung mit ganz verschiedenen Vor-sätzen durchwandern. Beispielsweise kann man einmal darüber nachdenken,was sich eigentlich alles abgespielt hat, als diese Möbel zum ersten Mal ver-wendet wurden. Vor der großen Tiroler Truhe aus der Zeit um 1530 mag mandaran denken, daß Karl V. soeben seinen vorläufigen Frieden mit den Prote-stanten geschlossen hatte. Vierzig Jahre später, die Kleintruhe zeigt die Jah-reszahl 1577 eingelegt, war Maximilian II. gerade gestorben und mit Rudolf 11.war ein unruhiges Zeitalter heraufgezogen. Die Truhenverzierungen von 1651sind gerade nach dem Abschluß des Westfälischen Friedens entstanden, und nunwar es zu Türkenkriegen, Ungarnaufständen gekommen, die Habsburgerkaiser derHochbarockzeit bezogen die halbe Welt in unseren Anschauungsbereich mit ein.Der siegreiche Barockkatholizismus brachte die ungeheure Farbigkeit durchdiese Möbel bis ins letzte Dorf. Eine frühe Truhe, etwa die oberösterreichi-sche von 1722, zeigt noch zurückhaltend den bunten Blütendekor auf fastschwarzem Grund. Die Pinzgauer bleiben beim braunen Blankholz, wie dasBett von 1731 bezeugt, sie lassen sich aber sehr schöne Rokoko- Ornamentedrauf schnitzen. Die ebenfalls blanken Alpbacher Möbel beginnen in aufge-setzter Malerei, die Einlegearbeit nachbildet, vornehm bunt zu werden. Diedazugehängten Votivbilder zeigen stets, was man, genau mit Jahreszahlenversehen, als augenblicklich gültige Einrichtung empfand. Und während inder hohen Kunst das bunte Spätbarock einem schlichteren Josefinismus zu wei-chen beginnt, jubeln die Farben in der Möbelmalerei der Donauländer jetzterst recht auf. Zu dem Bett von 1785 muß man den Linzer Reiterkasten von1793 ins Auge fassen, auf dem mit den aufgeklebten Kupferstichen die Herr-scher dieser Zeit, Kaiser Josef II. und König Friedrich II. von Preußen ge-geneinander zu reiten scheinen. Selbst diese Zeiten waren also gelegentlichrecht kriegerisch, wenn auch nicht ganz so wie die nun folgenden 25 Jahreder Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege.

Das sind nur einige Gesichtspunkte für die Betrachtung der Ausstellung, diewieder zur Gänze aus den Depotbeständen unseres Museums in der Laudon-gasse geschaffen wurde, also ohne Beeinträchtigung der Schausammlung dort,aber hoffentlich zur Kenntnisnahme vieler Freunde der Volkskunst, wie siealljährlich unser Schloßmuseum Gobelsburg besuchen.

Katalog: 64 Seiten, 2 Farbtafeln, 12 Schwarzweißabbildungen. Preis S 25.-Plakat: An der Kasse des Museums. Preis S 20.-( Leopold Schmidt)

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