VOLKSKUNDE IN ÖSTERREICH
NACHRICHTENBLATT DES VEREINES FÜR VOLKSKUNDE
Jahrgang 8
Wien, März 1973
NACHRICHTEN DES VEREINES
Einladung
Folge 3
zu dem am Freitag, den 23. März 1973, in der Hauptstelle für Wissenschaftli-che Kinetmatographie, Schönbrunnerstraße 56, 1050 Wien V, um 18 Uhr statt-findenden Vortrag mit Farbfilmvorführung von
Dr. Tomás HOFER
Ethnographisches Museum Budapest
" Stilperioden der ungarischen Volkskunst"
Im Vortrag sollen die Periodenwechsel in der ungarischen Volkskunst von denWandlungen her beleuchtet werden, die in der Zusammensetzung der bäuer-lichen" gegenständlichen Welten", in den Proportionen der Repräsentations-sphäre und den Normen der Kleidung und Wohnungseinrichtung vor sich ge-gangen sind. Unterschieden werden: die alte Stilperiode, sodann vom Wechselvom 18. zum 19. Jahrhundert an die neuen, betont bäuerlichen Stilrichtungenim Zusammenhang mit der Agrarkonjunktur und der sukzessiven Emanzipationdes Bauerntums, schließlich, vom Ende des 19. Jahrhunderts an, die stellenweiseauftretenden neuesten Stile beziehungsweise die farblose, spätbäuerliche odernachbäuerliche Periode. Ausführlicher wird von der alten Stilperiode gespro-chen, die in ihren Formen und in ihrer Ornamentik mit vielen Fäden- teilsauch durch die Kultur des Landadels- an die historischen Stilarten gebundenist. Die großzügigsten Denkmäler jener Zeit findet man hauptsächlich in Kir-chen, die einzelne Bauern oder bäuerliche Körperschaften als Stifter anferti-gen ließen. Vergleichshalber und um den ungarischen Entwicklungsgang mitseinen spezifischen Zügen hervorzuheben, werden im Vortrag einige Beispieleaus den österreichischen Ländern angeführt; zugleich wird darauf hingewiesen,wie es möglich ist, durch Gegenüberstellung der abweichenden Strukturen derAusrüstung und der zu verschiedenen Zeiten eintretenden Stilwandlungen dieVolkskunst unterschiedlicher europäischer Länder zu vergleichen, um ihreEigenart genauer zu bestimmen und zu deuten.
Zur Illustration des Vortrags soll der Farbfilm" Blume und Axt"( Regie:Ágoston KOLLÁNYI, ethnographischer Beirat: Tamas HOFER) gezeigt werden,in dem bemalte Dorfkirchendecken, Arbeiten von Wandertischlern aus dem 16.bis 19. Jahrhundert, zu sehen sind mit besonderem Hinweis darauf, wie dieseMalpraxis und Ornamentik, abgewandelt, auf den bäuerlichen Möbeln wei-
terlebten.
Eintritt frei!
Wiss, Rat Dr. Klaus BeitlGeneralsekretär
Gäste herzlich willkommen!
Wirk!. Hofrat Univ.- Prof. Dr. Leopold Schmidt
Präsident