Jg. 5/1970
Volkskunde in Österreich
BERICHTE
Folge 10
Ausstellung" Kärntner Kunst des Mittelalters ausDiözesanmuseum Klagenfurt"
dem
der Österreichischen Galerie in Wien( Oberes Belvedere)Die Österreichische Galerie im Oberen Belvedere zeigt von Weihnachten 1970bis Ostern 1971 eine Ausstellung" Kärntner Kunst des Mittelalters", mit deraus Anlaß der Kärntner Gedenktage am Beginn der Siebzigerjahre 50 Jahresind seit der Kärntner Volksabstimmung, bald 900 Jahre seit der Gründung derDiözese Gurk vergangen bisher fast unbekanntes Kunstgut aus Kärnten in
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Wien vorgestellt wird.Gezeigt wird eine Auswahl der Bestände des Diözesanmuseums Klagenfurt, einesder wichtigsten Diözesanmuseen Österreichs, das aber noch viel zu wenig be-kannt und besucht ist. Die Sammlung kam durch die Bergung gefährdeten oderliturgisch nicht mehr benötigten religiösen Kunstgutes zustande, umfaßt alsoneben Tafelbildern und Skulpturen vollständige Altäre, aber auch liturgischesGerät. Die Ausstellung zeigt unter anderem romanische Vortragskreuze, einnoch unbekanntes gotisches Fastentuch, bestickte Kasein und ein geschnitztesKirchengestühl. Dem funktionellen Aspekt aller Exposita kommt demnach be-sonderes Gewicht zu, ihm ist ein eigener Katalogabschnitt gewidmet.Mit Rücksicht auf die historischen Gegebenheiten Kärntens wurde die Auswahlauf das Mittelalter beschränkt. Gerade aus dieser Zeit besitzt das Diözesanmu-seum Klagenfurt Werke höchsten Ranges innerhalb der gesamtösterreichischenKunst, wie etwa den Rangersdorfer Altar, die Tafelgemälde von Thomas undFriedrich von Villach, den Gurker Tragaltar und die Magdalenenscheibe ausWeitensfeld, die zugleich mit ihrem betont flächenhaft- ornamentalen Charak-ter die künstlerische Eigenart Kärntens dokumentieren. Die Besonderheit desdortigen Volkscharakters zeigt sich in dem Überwiegen lebensbejahender,freundlich- heiterer Züge in den ausgestellten Kunstwerken. Der profane Le-bensbereich erscheint im Mittelalter noch eng mit dem religiösen verwoben;der Bergbau, der damals in Kärnten eine bedeutende Rolle spielte, stand unterdem Schutz verschiedener Heiliger wie etwa dem des hl. Daniel, dem das kultur-historisch und volkskundlich besonders interessante Altärchen aus Flitschl mitsehr lebendigen Darstellungen der wichtigsten Arbeiten und Geräte geweiht ist.Für die Ausstellung gibt es einen eingehenden, wissenschaftlichen Katalog mitEinleitungen von Univ.- Prof. Dr. Otto DEMUS( Zur mittelalterlichen KunstKärntens) und von Hofrat Univ.- Prof. Dr. Leopold SCHMIDT,( Kunstwerke ausKärnten als Zeugnisse mittelalterlicher Volksfrömmigkeit).
Die Österreichische Galerie verfolgt mit dieser Ausstellung zwei Absichten:wenig bekannte Kunstwerke aus einem so sehr besuchten Land wie Kärnten vorallem dem Wiener Publikum vorzuführen, und- was sich aus der Beschränkungdes Umfangs der Ausstellung ergibt- den Betrachter zu lehren, daß diese Kunst-werke aus ihrer religiösen Funktion her verstanden werden sollen. Die Aus-stellung ist von Dienstag bis Samstag von 10-16 Uhr, sonntags und feiertags von9-13 Uhr zugänglich. Jeden Sonntag finden um 10.30 Uhr Führungen statt. Zueiner Vereinsführung( Jänner 1971) wird besonders eingeladen. Elfriede Baum
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