Heft 
5 (1970) 1-10
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Jg.5/ 1970

Volkskunde in Österreich

BERICHTE

Folge 1

Weihnachtskrippen aus dem Sudeten- und BeskidenraumDas Österreichische Museum für Volkskunde besitzt in seiner Sammlung ost-europäischer Volkskulturen ein wahrhaftiges" unsichtbares Museum", das mitseinen über 20.000 Objekten ein ganzes Gebäude füllen könnte. Trotz zahl-loser Bemühungen war es bisher leider nicht möglich, eine der Tradition desHauses entsprechende ständige Schau einzurichten. Deshalb wurde im Juni 1969auf Anregung des Bundesministeriums für Unterricht eine Reihe von halbjähri-gen Sonderausstellungen unter dem gemeinsamen Obertitel" Aus der Volkskul-tur der Ost- und Südostgebiete der ehemaligen Donaumonarchie" gestartet. Dieerste Ausstellung war den" Volksmusikinstrumenten der Balkanländer" gewidmet.Am 13. Dezember 1969 wurde die Ausstellung" Alte Weihnachtskrippen aus demSudeten- und Beskidenraum" eröffnet. Böhmen, Mähren, das ehemalige Öster-reichisch- Schlesien und das ehemalige Galizien sind hier mit 22 Krippen bzw.Krippenkomplexen vertreten, die in den 75 Jahren des Bestehens des Museumsgesammelt worden sind. Durch die streng geographische Gliederung der Expo-nate wird ein übersichtliches Bild des Ostens der mitteleuropäischen Krippen-landschaft und ihrer Grenzbereiche vermittelt: Während im Weichbild der Län-der der böhmischen Krone die Kulissenkrippe mit Holzfiguren vorherrscht, istder nordwestliche" Zaun" dieser Landschaft durch Abwandlungen der herkömm-lichen Krippe seitens der bodenständigen Elemente- wie z. B. die Weihnachts-pyramide durch die Lichterpyramide, der Weihnachtsberg durch die Stufen-stadt und die mechanische Krippe durch die Bergwerksmodelle- gekennzeich-net. Jenseits der Beskiden steht der nordöstliche" Zaun" dieser Krippenland-schaft und wird durch die polnische Szopka, einen durch Krippenspiel, Hei-schebrauch und architektonische Gestaltungsfreude geformten Typus symboli-siert. Das Weichbild aber beherrscht die geschnitzte und gefaßte Krippenfigur,entweder als sehr beliebtes und weit verhandeltes Erzeugnis der Hausindustrieoder als künstlerisches Produkt individueller Gestaltungskraft, wie hier beson-ders die Figuren von Franz Kolar aus Přibram in Böhmen, des Josef Partsch ausEngelsberg und des Benjamin Heinz aus Lindewiese in Schlesien. Allen Figurengemeinsam aber ist ihr eminenter Aussagewert: Neben den traditionell- biblischgekleideten Figuren, die ihre Verbindung zum Volksschauspiel nicht verleug-nen, sind es insbesondere die bodenständig bekleideten Figuren, die reichsteQuellen nicht nur für die Geschichte der Volkskleidung, sondern z. B. auchfür die Instrumentenkunde dieser Gebiete abgeben. Daher ist der Besuch Krip-penfreunden und kulturgeschichtlich Interessierten gleich zu empfehlen. ZurAusstellung ist ein Katalog erschienen.Adolf Mais

SAMMLER MITTEILUNGENNEUNKIRCHEN( NO.) Bäuerliche Sitzmöbel gesucht.- Ein Sammler von Sitz-möbeln sucht zur Vervollständigung seiner Kollektion zwei bis vier Bauernses-sel mit geschnitzten Lehnen( Stabellen). Es sollen erstklassige Stücke sein. An-bote sind direkt zu richten an: Dr. Ernst FASAN, Hauptplatz 11, 2620 Neun-kirchen.

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