Jg. 1/1966
Volkskunde in Österreich
BERICHTE
Folge 6
Die Sammlung Altösterreichische Volksmajolika imSchloßmuseum Gobelsburg, Niederösterreich
Am 28. Mai 1966 wurde durch den Herrn Bundesminister für Unterricht,Dr. Theodor PIFFL- PERČEVIĆ, im Schloßmuseum Gobelsburg die SammlungAltösterreichische Volksmajolika feierlich eröffnet. Das Österreichische Mu-seum für Volkskunde konnte damit im Frühjahr 1966 seine zweite Außenstelleder Öffentlichkeit zugänglich machen.
Das Schloß Gobelsburg, Sitz des Weingutes des Zisterzienserstiftes Zwettl,erhebt sich auf dem Boden der alten Kuenringerfeste Gobatsburg. Der statt-liche Barockbau bildet zusammen mit der in ihrem wesentlichen Baubestandgotischen Pfarrkirche eine vorzügliche architektonische Gruppe auf dem Hügelüber dem Kamp. Im Schloß, das während der letzten beiden Jahre sowohl außenals auch innen restauriert wurde, boten sich im 1. Stock des Repräsentations-traktes eine Flucht von sechs vornehmen, hellen Räumen und ein breiter Gangfür die Einrichtung eines Schloßmuseums an. Aus der Zeit der Errichtung desBarockschlosses im Jahre 1725 durch den weltlichen Bauherrn Freiherr AchazEhrenreich von Hohenfeld stammen der einheitliche künstlerische Raumschmuckder Deckengemälde und Stukkaturreliefs mit antik- mythologischen und allegori-schen Darstellungen und auch die mächtigen, ganze Raumecken ausfüllendenMajolikaöfen, die als hervorragende Zeugnisse des barocken Kunsthandwerkesangesprochen werden dürfen.
Dem Charakter dieser barocken Räume angepaẞt ist die vom Bundesministeriumfür Unterricht geförderte und vom Österreichischen Museum für Volkskundedurchgeführte Ausgestaltung des neuen Schloßmuseums mit einer Sammlung ge-hobener handwerklicher Volkskunst. Aus der Fülle des Sammelgutes des Öster-reichischen Museums für Volkskunde bot sich in diesem Zusammengang dieDarstellung der Bestände an Majolika an, jener Gruppe volkstümlicher kera-mischer Erzeugnisse, die zwischen dem 16. und frühen 19. Jahrhundert einebesondere Blüte erlebt hatte und später durch das Porzellan verdrängt wordenwar. Auf dem Boden der alten Donaumonarchie hat es viele gute Majolika-werkstätten gegeben, von denen heute nur noch Gmunden wirklich bekanntist. In der Darstellung dieses Volkskunstgutes wurde deshalb weiter ausgegrif-fen und die frühe Majolika in Oberitalien ebenso mit einbezogen wie die Er-zeugnisse aus Mähren und Oberungarn, der heutigen Slowakei, wo die Majo-likaerzeugung zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch in Blüte stand. Danach hatsich die Sammlung altösterreichischer Volksmajolika in den sechs Räumen desSchloßmuseums Gobelsburg zwanglos geographisch- historisch gliedern lassen.Diese Sammlung wird ergänzt durch ein Ensemble guter bemalter Möbel vom17. bis zum 19. Jahrhundert, das einen Überblick bietet über die der Majo-likamalerei verwandten volksbarocken Möbelmalerei Österreichs.
Das Gesamtbild dieses Museums ist festgehalten in einem gut ausgestatteten,illustrierten Katalog aus der Feder von Leopold SCHMIDT. Der Katalog liegtim Schloßmuseum Gobelsburg auf und ist auch in Wien vom Österr. Museum fürVolkskunde, wo alle weiteren Auskünfte erteilt werden, zu beziehen.( kb.)
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