Jg. 1/1966
Volkskunde in Österreich
Folge 2
BERICHTE
Volkskunde und Baudenkmalpflege
Das Erscheinen der ersten Folge des Nachrichtenblattes" Volkskunde in Öster-reich" hat Univ.- Prof. Dr. Richard PITTIONI, Vorstand des Institutes für Ur-und Frühgeschichte der Universität Wien, zum Anlaß genommen, in einem Be-grüßungsschreiben an unseren Verein eine beachtenswerte Anregung zu geben,die wir hier gerne veröffentlichen. Professor Richard Pittioni ist Ehrenmitglieddes Vereines für Volkskunde und hat sich als ehemaliger Vereinspräsident umdie Wiedererrichtung unserer Organisation in der Zeit nach dem zweiten Welt-krieg bleibende Verdienste erworben.
" Mit echter Freude habe ich die erste Nummer des Nachrichtenblattes' Volks-kunde in Österreich' erhalten. Ich möchte dem Verein zur Herausgabe diesesMitteilungsblattes herzlich gratulieren und versichern, daß da eine echte Lük-ke geschlossen wurde. Jetzt gibt es die Möglichkeit für kurze und aktuelleInformationen sowie für Anregungen verschiedener Art.
Es sei gestattet, daß ich gleich eine solche ausspreche. Vor kurzem kam mirein neues Buch in die Hand: HUDSON, Industrial archaeology, 1965. Wennich es auch noch nicht durcharbeiten konnte, so habe ich doch beim erstenDurchblättern feststellen können, daß es sich da um einen Themenkreis han-delt, der auch für uns ganz allgemein von Interesse ist, der aber in gleicherWeise eine Querverbindung zur Volkskunde herzustellen gestattet. Ich denkedabei an meine Beobachtungen im Herbst 1965 in Hofgastein, wo ich michauch ein wenig mit der Geschichte des Weitmoser'schen Gold- und Silber-bergbaues beschäftigte. Bei dieser Gelegenheit lernte ich in Hundsdorf beiHofgastein zwei Gebäude kennen, die allem Anschein nach mit dem Bergbaueinen gewissen Zusammenhang aufweisen. So einmal das sogenannte Schmied-Häusi, ein Steinbau, der bereits nicht mehr verwendet und daher wohl baldniedergerissen wird. Der Anbau für die Schmiede fehlt bereits. Doch wäre esvielleicht nicht uninteressant, den Hauptteil noch aufzunehmen, da anzu-nehmen ist, daß er im späten 15. oder 16. Jahrhundert gebaut wurde. DieErde um das Haus herum ist von Holzkohle ganz schwarz, die intensive Schmie-detätigkeit also noch an solchen Resten gut zu erkennen. Dann aber möchteich die Aufmerksamkeit der Volkskunde noch auf das sogenannte Schlacken-häus lenken. Das ist ein Bau aus 1666, der auf einer riesigen Schlackenhaldeerrichtet wurde. Diese Halde ist gleichfalls schon zum größten Teil abgetra-gen, nur der Teil mit dem Haus steht noch. Aber auch das Schlackenhäuslwird nicht mehr bewohnt, sodaß auch für diesen Bau die Gefahr der Demolie-rung besteht. Vielleicht hat der Verein die Möglichkeit, zuständige Stellenin Salzburg auf diese beiden Gebäude aufmerksam zu machen: sie sind Zeu-gen einer sehr beachtenswerten renaissancezeitlichen Industrie, gleichzeitigaber auch gute Belege für die damalige volkstümliche Bauweise, die ja leiderauch im Gasteiner Tal immer mehr verschwindet.'
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Richard Pittioni