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61 (2026) 2
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61 2/2026 SCHAUFENSTER7DieLamarr-Krippeein Neuzugang in die­MuseumssammlungenDie umfangreiche Krippensammlung desVolks­kundemuseum Wien ist um ein gesell-schaftlich höchst relevantes und auch hand-werklich beeindruckendes Beispiel aus derunmittelbaren Gegenwart reicher. Die soge-nannte Lamarr-Krippe(ÖMV/90488) wurde imFebruar 2026 erworben, wobei der Kaufpreisvon 3000 Euro, der durch Privatspenden ausdem Museumsumfeld um 330 Euro erhöhtwerden konnte, auf Wunsch der Krippenbau-er:innen der Obdachloseneinrichtung derCaritas,Gruft, gespendet wurde.Der Krippenberg dieser Weihnachtskrippestellt den modernen Rohbau eines mehr-stöckigen Gebäudes dar. Der Titel, den dieKrippenbauer:innen dem Werk gaben,Lamarr-Krippe, identifiziert das Gebäude alsdie von der Signa-Gruppe des René Benkohinterlassene Bauruine auf der WienerMariahilfer Straße, nahe derGruft gelegen.Auch das Aussehen, vor allem die abgerun-dete Ecke vorne, gibt den Rohbau des nachHedy Lamarr benannten und nie fertiggestellten Kaufhauses wieder. Im erstenStock befindet sich die zentrale Krippen-szene: Die Jesuskindfigur aus Kunststoff istganz traditionell mit einer Windel auf Strohliegend dargestellt. Hinter ihm sitzt Mariaauf aufgestapelten Geldsäcken und Josefauf einem Bett, das wie ein Gefängnisbettaussieht. Beide wurden aus Knetmasse vonden Krippenbauer:innen selbst gefertigt. Sieerinnern beim Betrachten an René Benkound seine Ehefrau. Neben derHeiligenFamilie stehen diedrei Weisen, ebenfallsKnet­figuren, von denen zwei an die beidenAltbundeskanzler Sebastian Kurz und AlfredGusenbauer denken lassen und die dritte miteiner Ghutra auf dem Kopf an das stereotypeBild einesÖlscheichs als Investor.Es handelt sich um die erste Krippe derbeiden Hersteller:innen, und sie wurde imRahmen eines Krippenbaukurses des WienerKrippenvereins geschaffen.Kathrin Pallestrang,SammlungenDie Lamarr-Weihnachtskrippevon HFA–Studio ist der jüngsteNeuzugang in der Krippensammlungdes Volkskundemuseum Wien.© HFA–Studio