36I N T E R V I E Wverschafft uns die Tatsache, dass wir nichtdirekt in die Stadt eingegliedert sind, einenvertrauten Austausch mit der Club- undVeranstaltungsszene.Wir agieren also nicht als Interessenver-tretung für eine bestimmte Bezugsgruppe,sondern als Advocacy für das ThemaClubkultur allgemein, unter Berücksichtigungaller damit verbundenen Perspektiven.Unsere Aufgabe als VCC ist es, der PolitikLösungsansätze zu liefern, um eben dieZukunft des Wiener Nachtlebens mit Fokusauf Clubkultur zu schützen, zu fördern undweiterzuentwickeln. Das Resultat davon ist,dass es die ein oder andere Idee in diejeweiligen Regierungsprogramme geschaffthat.Wie ordnest du die Clubkultur im Verhält-nis zu anderen darstellenden oder perfor-mativen Künsten ein(z. B. Theater, Tanz,Konzertbetrieb)?Während Theater, Tanz oder Konzertbetriebin der Regel eine klare Trennung zwischenBühne und Publikum voraussetzen und daskünstlerische Werk primär als Ausdruckeiner einzelnen schöpferischen Person odereines Ensembles verstanden wird, verschiebtClubkultur genau dieses Verhältnis. Die„Auf-führung“ im Club ist nie nur eine Aufführung,sondern immer ein gemeinschaftlich her-vorgebrachter Prozess. Das„Werk“ entstehtkollaborativ, im Zusammenspiel von DJ,sonstigen Performer:innen, Raum, Sound,Licht, sozialer Dynamik – also vor allem denMenschen, die physisch teilnehmen undinteragieren. Als Besucherin bin ich nichtnur Rezipientin, sondern konstitutiver Teildes Geschehens und gestalte den Abend mitmeiner Energie mit – und erst durch dieseaktive Teilnahme wird das Werk vollständig.Damit bewegt sich Clubkultur näher anprozessualen, partizipativen und situativenKunstformen als an traditionellen Bühnen-künsten. Und genau darin liegt ihre Einzigar-tigkeit.Unser Aufenthalt am Otto Wagner Arealgibt uns die Möglichkeit, Raum für club-kulturelle Veranstaltungen zur Verfügungzu stellen. Wir sind da in guter Zusammen-arbeit mit verschiedenen Kollektiven ausder Szene. Darüber hinaus interessierenwir uns als Museum für populäre Musik,für Volksmusik genauso wie für Clubkul-tur. Es gibt internationale Beispiele vonAusstellungen zur Clubkultur. Lässt sichClubkultur überhaupt musealisieren?Ja – und ich finde das auch unglaublichwichtig. Großartige Ausstellungsformate, dieich in diesem Kontext selbst besucht habe,waren zum Beispiel The Fest im MAK, kura-tiert von Brigitte Felderer, oder TECHNO imLandesmuseum Zürich. Ein für mich lustigerZufall war dort übrigens, dass DJ Dr. Mottedie Ausstellung zur gleichen Zeit besuchthat wie ich. Besonders begeistert bin ichvom Kurator Bogomir Doringer, der es aktuellwie kaum jemand sonst schafft, den poli-tischen Aspekt von Clubkultur in musealeKontexte zu bringen. Ich würde mich wahn-sinnig freuen, wenn ein Wiener ClubkulturArchiv entstehen würde!Wie sollte Wien in Zukunft mit Clubkulturumgehen?Ich denke, es ist sehr sinnvoll, die Vernet-zung zwischen Stadt und Szene weiter zufördern. Initiativen wie die Vienna ClubCommission zeigen, dass strukturierteSchnittstellen zwischen Politik, Verwaltungsowie der Club- und Veranstaltungsszenesehr gut funktionieren können, um politischeVeränderungsprozesse in diesem Bereichvoranzubringen und direkt wie indirekt aufdie Bedürfnisse der Clubbetreiber:innen undVeranstalter:innen dieser Stadt einzugehen.Ich freue mich, dass Projekte wie die Safer