Heft 
61 (2026) 1
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61 1/2026 SCHAUFENSTER9stellt einen Meilenstein für die gesamteSanierung dar.Die vielen Eingriffe in die 300 Jahrealten Mauern stellt die Statiker täglich vor­Herausforderungen. Noch nie gab es derartumfassende Eingriffe in das Tragwerk. DerStatiker kämpft sprichwörtlich um jedesStück original intakten Mauerwerks unddas aus gutem Grund. Historische Mauerntragen ihre Lasten oft über das Zusammen-spiel vieler Schichten aus Bruchstein,Lehm- oder Kalkmörtel. So besteht dasGebäude über sehr viel Mischmauerwerk.Wird an einer Stelle zu viel entnommenoder eingeschnitten(z. B. für Leitungen,Schächte, Durchbrüche), kann die gesamteStabilität lokal oder sogar großflächiggefährdet werden.Gleichzeitig müssen moderne Anforde-rungen berücksichtigt werden: Im Erdge-schoss sind zahlreiche Schlitze nötig, um dasHaus für die nächsten 100 Jahre mit ausrei-chend Steckdosen, Netzwerkanschlüssenund Technik zu versorgen. Im Obergeschosskonnten wir die Situation entschärfen:Statt vieler Deckendurchbrüche werdennun Kabeltrassen eingesetzt. Eine Lösung,die deutlich mehr Flexibilität für zukünftigetechnische Erweiterungen bietet.Ein besonderes Kapitel der Sanierung wardie Suche nach dem idealen Ort für eineZeitkapsel. Zahlreiche Nischen wurdengeprüft, sogar der Vorschlag stand im Raum,sie in die Betonplatte des neuen Stiegen-hauses 3 einzulassen. Doch eine Zeitkapsel,die man nur mit schwerem Gerät bergenkönnte und die für Besucher:innen späterkaum zugänglich wäre, erschien uns wenigsinnvoll. Die Zeitkapsel sollte nicht nur sicherverwahrt, sondern auch gut auffindbar undmuseal vermittelbar sein.Schließlich entschieden wir uns für einenhistorisch bedeutsamen Ort im Empfangs-bereich des neuen Hauses. Hier, an derAußenmauer Richtung Laudongasse, befandsich im 17. Jahrhundert ein Zugang in denLagerkeller für Kohle und Eisblöcke, der­später zu einem Fenster umgebaut wurde.Eine Zeitkapsel einzusetzen, ist vor allemein Moment großer Neugier auf eine Zukunft,die wir nicht kennen. Wird unsere Botschaftverstanden, was wird man über uns denken,welches Wertgefüge wird uns zugeschriebenwerden? Ich glaube, wir sollten Solidarität,gute Stimmung und Verantwortung in dieunbekannte Zukunft schicken. Mit diesemZitat unseres Direktors Matthias Beitl legenwir eine Regenbogenfahne, eine Diskokugel,eine Handvoll Sojabohnen und ein Muse-ums-for-Future-Sticker in die Zeitkapsel.Eine Ausgabe des aktuellen Nachrichtenblat-tes sowie eine Auswahl der fotografischenBaudokumentation als Momentaufnahmender unmittelbaren Gegenwart kommenseitens des Museums noch dazu. Wir sindgespannt, wer sie einmal finden wird undwelche der Materialitäten die Zeit überdau-ern werden.Patrick Widhofner-Schmidt,­Nutzer:innenvertretung für die SanierungKurzweilige Durchsicht des Dachstuhls der Mittelachsein Richtung Lange Gasse. Foto: Kollektiv Fischka / Kramar