SCHAUFENSTER
Einblick in Provenienzforschung undRestitution im Volkskundemuseum
Die Vereinsdokumente des Volkskundemu-seums belegen, dass das es, wie auch vieleandere Museen, die systematische Verfolgungund Vertreibung von Menschen durch dieNationalsozialisten nutzte, um die Sammlun-gen zu erweitern: So beantragte der damali-ge Museumsdirektor Arthur Haberlandt schonim September 1938 zusätzliche Gelder für denAnkauf von, wie er es nannte„ sichergestelltenjüdischen Sammlungen"- ein Euphemismus fürRaub und Verfolgung in der NS- Zeit- und erbetonte im Jahresbericht 1939 bereits derenerfolgte Inventarisierung.
Aufgrund der so genannten Rückstellungsge-setze restituierte das ÖMV in den ersten Nach-kriegsjahren bereits Objekte aus den Sammlun-gen von Oscar Bondy, Albert Pollak und FranzRuhmann, und in den 1990er Jahren beschlossder Vereinsvorstand die Rückgabe von geraub-ten Objekten an das Jüdische Museum Wienund an ein Mitglied der Familie Rothschild.
Doch damit sind die Restitutionen nicht abge-schlossen: Wie aus dem Inventarbuch hervor-geht, akquirierte das ÖMV zwischen 1938 und1945 verschiedenste Objekte von insgesamt213 Personen bzw. Institutionen. Nun gilt es,zu überprüfen, welche Objekte im Sinne desKunstrückgabegesetzes( BGBI| Nr. 181/1998)als geraubt gelten und demnach zurückzuge-ben sind.
Im Zuge der ersten Provenienzrecherchenwurden diese 213 Namen mit den umfangrei-chen Materialien( Herkunftsakten, Vereinsinfor-mationen, Publikationen usw.) des ÖMV abgegli-chen und auch die verschiedenen Datenbankenund Archivalien der Kommission für Provenienz-forschung genutzt. Dabei zeigte sich, dass imInventarbuch einige Personen genannt sind, vondenen durch die Provenienzforschung bereitsbekannt ist, dass sie verfolgt worden sind. DieRecherchen sind noch nicht abgeschlossen,doch sind nach jetzigem Wissensstand mindes-tens 25 Dossiers für den Kunstrückgabebeiratzu erstellen.
Claudia Spring
Provenienzforscherin am Volkskundemuseum
Mai- August 2015
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