RUBRIK
die werden über die sozialen Medien herbeige-rufen. In der Industrie heißt diese Produktions-form ,, Just in Time”. Die Grundregel lautet: Sowenig wie möglich lagern. So viel wie möglichpunktgenau dann herbeischaffen, wenn es akutbenötigt wird.
unsichtbaren Hand gesteuert? Oder weil Logik,Glück und Expertise dahinterstecken?
Da sind die Ärztinnen, Ärzte, Pflegerinnen, Pfle-ger und Medizinstudierenden, die ein Lazarettaus dem Boden gestampft haben, das alle Stückespielt: hier werden offene Wunden verarztet,
Es ist natürlich nicht leicht, mit so vielen Variab- Grippe, Durchfall und Husten behandelt, Babieslen zu jonglieren. Wie viele Refugees
werden heute ankommen? Werden direkteZüge von der ungarischen Grenze erwartet?Wie schaut es mit Möglichkeiten zur Weiter-reise aus? Welche Grenzen sind offen, welchesind dicht? Zu den vielen Unsicherheiten inder europäischen Migrationspolitik kommendie Unwägbarkeiten beim Spenden. Selbstver-ständlich kriegt man nie ganz genau das, wasman braucht. Selbstverständlich sind immer zuviele Babystrampler da und zu wenige Männer-socken. Zu viele hochhackige Damenschuhe, zuwenige Müllsäcke.
Und selbstverständlich ist es immer wiedermühsam, sich selbst und allen anderen zu erklä-ren, warum man täglich viele tausend teureHalbliter- Plastikflaschen mit stillem Wasserkaufen muss, statt einfach aus der Wasserleitungzu trinken.( Es gibt zahlreiche gute Gründe: DieDurchreisenden sind meist nur wenige Stundenin Wien, und täglich sind es neue. Sie kommenaus Ländern, in denen es kein Trinkwasser ausder Leitung gibt, oft treffen sie mit Verdauungs-problemen aus Ungarn ein. Sie brauchen diePlastikflaschen zum Mitnehmen auf ihre Weiter-reise. Und Flaschen, aus denen schon getrun-ken wurde, mit Leitungswasser wieder aufzufül-len, das geht aus hygienischen Gründen nicht).
Gleichzeitig gibt es dutzende Dinge, die wunder-samerweise funktionieren. Von selbst? Von einer
versorgt, Notfälle ins Spital gebracht.
Da sind die jungen Menschen aus ganz Wien,die täglich zum Dolmetschen kommen. Vielevon ihnen sind zweisprachig aufgewachsen, mitArabisch oder Farsi als Muttersprache, doch eskam in ihrem Leben bisher nicht oft vor, dassdieses Qualifikation sehr gefragt war. Hier amHauptbahnhof spielen sie nun plötzlich eineSchlüsselrolle denn ohne sie geht gar nichts.Sie sind die ersten Ansprechpersonen für dieÄngste, Fragen und Unsicherheiten der Neuan-kommenden. Mit ihnen werden Weiterreise-pläne besprochen, sie übersetzen die Rechts-auskünfte der JuristInnen. Sie sind es, die denReisenden das Gefühl vermitteln, in Sicherheitzu sein. Eine große Aufgabe ist das.
Da ist die Kinderspielecke, die vor einigenWochen quasi aus dem Nichts entstand- eineInsel der Normalität an einem Ort, an demsonst gar nichts normal ist. Ein paar Tische, einpaar kleine Stühle, eine Ecke mit Matratzen.Malfarben, Spielzeugautos, eine Murmelbahn.Bausteine, Puppen und ganz viele Seifenblasen.Mehr brauchen Kinder nicht, um ganz im Hierund Jetzt aufzugehen.
Und da sind die dampfenden Töpfe mitwarmem Essen, die täglich von den Sikhs auseinem Tempel im 22. Bezirk gebracht werden.Imposante Männer mit rauschenden Bärten undTurbanen, die mit Schöpflöffeln hinter riesigen
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50. Jahrgang