LIEBLINGSOBJEKT
VON DAGMAR BUTTERWECK
fili
graneTechnik
49. JG./2014- 11
49. JG./2014-12
Dieser Tschibuk, eine Pfeife, mit der Inventarnummer ÖMV85.939, ist sehr ansprechend gearbeitet. Auf einer Längevon 86,5 cm bilden Silber, vergoldete Teile, Schmucksteineund das Mundstück aus poliertem, schwarzem Holz eine äs-thetische Symbiose, die ein Beispiel hervorragender albani-scher Handwerkskunst ist. Derart lange, schmale Pfeifen mitso kleinem Pfeifenkopf, waren schwierig anzuzünden, wasmeist mit einem Stück glühender Holzkohle geschah, undnur unter ständigem Ziehen in Brand zu halten. BegütertePfeifenraucher im osmanischen Raum und am Balkan hatteneinen Pfeifenträger, dessen Aufgabe es war, die Pfeife stän-dig rauchbereit zu halten. Das hier gezeigte Objekt ist einPrunkstück, es wurde nie benutzt.
Staka Marko, ein albanischer Silberarbeiter aus Priština( 1915-1918 von österreichisch- ungarischen Truppenbesetzt), hat drei Silberfiligranarbeiten an den Wiener Hofgeschickt: eine Ampel, einen Tschibuk und einen Silber-rahmen. Die Gegenstände sind so kunstvoll gefertigt,
Herkunftsakt zu ÖMV 85.939 im Archiv des Österreichischen Museums für Volkskunde:Brief von Seiner k.u.k. Apostolischen Majestät Oberstkämmerer- Amte, 20. November 1917Arti Popullor ne Shqiperi/ People's Art in Albania/ L'art populaire en Albanie. Tirane, Akademiae Shkencave e rp te Shqiperise, Instituti i Historise, Sektori i Etnografise 1976, 156 S., zahlr. III.Arne Eggebrecht( Hg.): Albanien: Schätze aus dem Land der Skipetaren. Katalog zur gleich-namigen Ausstellung im Roemer- und Pelizaeus- Museum, Hildesheim, 18.7.- 20.11.1988.Mainz, Zabern 1988, 476 S., zahlr. III.
ÖZV N.S. LXVI, Ges. 115, Heft 1+ 2 2012, S. 131
dass Kaiser Karl I. sie ,, huldreichst" annahm und dem k.k.Museum für österreichische Volkskunde- dem heutigenVolkskundemuseum Wien- übergab. Diese Angaben sinddem Schriftverkehr vom 20. November 1917 im Archiv desVolkskundemuseums zu entnehmen.
Schon in der Antike wurden Filigranarbeiten gefertigt.Archäologische Grabungen haben auf dem Gebiet desheutigen Albanien Gegenstände zutage gefördert, die inFiligrantechnik hergestellt worden waren. Daher kann einelange Tradition dieses Handwerks am südlichen Balkanangenommen werden. Zierliche Drähte werden dabei zuSeilen geflochten und damit die Objekte gefertigt. Seit dem20. Jahrhundert entstehen diese Arbeiten ohne Unterlage,zuvor wurden sie auf Metall gelötet.
In der Langen Nacht der Museen 2012 war dieser Tschibukerstmals zu sehen, und er hat seine Wirkung auf die Besu-cherinnen nicht verfehlt.
Die Autorin ist Kuratorin der Metallsammlungam Volkskundemuseum.