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Mitteilungen.
werden dabei Sekrete des Leichnams getrunken, damit man so die darinenthaltene Körperseele des Dahingegangenen in sich aufnehme. Durchdas Begraben soll die Körperseele gefesselt werden, weshalb manauch häufig den Leichnam mit Schnüren umwand. Als Erinnerung andiese Methode blieb die Hockerstellung zurück. HOERNES¹ deutet dieHockerstellung auch in diesem Sinne. Von anderer Seite wird der Vor-gang als Nachahmung der Stellung des Fötus im Mutterleibe oder auch alseine raumsparende Mafsregel gedeutet. Ich glaube jedoch, dafs kaum eineeinzige Erklärung für alle Fälle zulässig ist, sondern dafs die Erscheinungbei jedem einzelnen Volke im Zusammenhang mit dessen ganzen Seelenlebenverstanden werden mufs. Damit der Körper als Wohnsitz der Körperseele er-halten bleibe, kam es bei vielen Völkern zur Einbalsamierung( s. dieMumien der alten Ägypter und Peruaner). Häufig bohrte man in das Grab einLoch, damit die Psyche den Toten leichter verlassen könne. Bei manchen In-dianerstämmen Glossar ::: zum Glossareintrag dianerstämmen gräbt man den Leichnam nach erfolgter Fäulnis wieder aus,um einzelne seiner Teile bei sich aufzubewahren und so im Besitz derKörperseele zu bleiben oder man lässt den Leichnam im Freien verfaulen,damit bei dieser Gelegenheit die Psyche entweichen könne und begräbterst nachher das Skelett, um so die Körperseele unschädlich zu machen.Die Feuerbestattung kennt man im totemistischen Zeitalternoch nicht, weil man ja an eine Körperseele glaubt und sie nichtauf diese Art vernichten will. Die Verbrennung kam zuerst dadurch auf,dafs man die Leiche für Tabu hielt und man an ihr eine Lustrationvornehmen wollte, die sich dann später auf alle dem Toten gehörigenDinge und Lebewesen übertrug; daher beispielsweise die Witwenverbren-nung in Indien. Die Vorstellung, dafs die Seele im Rauch zum Himmelsteige, leitet zum Christentum über. Die Asche, d. h. das blofs Körper-liche, bleibt zurück. Die Verbrennung findet sich besonders bei denIndogermanen und in Babylon bei den Sumeriern, nicht bei denBabyloniern.
12. Ursprung des Fetisch. Eine Theorie besagt, dafs der Fetischdurch Degeneration des Gottesbegriffes entstanden sei. Nach WUNDT ver-hält es sich gerade umgekehrt: Aus dem Fetisch konnte sich allmählichein Gott entwickeln, dann konnte freilich aus dem Gott in einzelnen Fällendurch Degeneration ein Fetisch entstehen. Das Wort Fetisch leitet sichvon dem lateinischen„ facticius" ab( facticius, deutsch künstlich). Wirhaben bereits in Australien ein solches Objekt namens Churinga kennengelernt, das sich aus dem Totemismus nach und nach entwickelt hat. InAfrika sowie in Australien handelt es sich bei diesen Dingen immer umauffallende Gegenstände. In Australien sind es aber Naturprodukte, währendwir in Afrika in gleicher Verwendung Kunstprodukte antreffen. Aber auchin Afrika war es ursprünglich ein natürlicher Gegenstand, ein Stein vonbesonderer Form oder dgl., der zufällig an dem Orte eines aufregendenGeschehnisses lag und so mit dem Ereignis in ursächlichen Zusammen-hang gebracht wurde. Besonders die Symmetrie war es, die den Menschen
Dr. MORITZ HOERNES, Natur- und Urgeschichte des Menschen.Wien und Leipzig 1909. 2 Bde. II. Bd. S. 424.