Mitteilungen.
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von einer begangenen Verfehlung freimachen, sondern auch für alleZukunft von Sünden reinigen konnte: So die Taufe der Christen u. dgl.Das Feuer spielt in der gleichen Weise bei den Jünglingsweihen manchertotemistischer Völker eine Rolle; man mufs sich ihm nähern oder sogardarüber springen, wie beispielsweise beim Johannisfeuer in deutschenLändern.
11. Der Seelenglaube im totemistischen Zeitalter. DieQuelle aller Religion ist nicht, wie man früher annahm, der Ani-mismus, der sich die Allbeseelung der Natur vorstellt; vielmehr liegt siewohl im Seelen glauben. Der Primitive Glossar ::: zum Glossareintrag Primitive flieht die Leiche eines ebenverstorbenen Genossen, weil er meint, dafs die darin gebliebene Körper-seele ihm gefährlich werden könnte. Der Totemist hat sich von dieserAngst bereits freigemacht, da das Sterben in den häufigen Kämpfen diesesZeitalters ein zu gewöhnliches Ereignis darstellt. Er glaubt zwar noch aneine Körperseele, aber auch an eine Psyche, Hauch- oderSchattenseele; denn den plötzlichen Tod eines Nebenmenschen kanner sich nur durch das Entweichen seiner Psyche mit dem letzten Atemzuge vorstellen also Hauchseele. In dieser Epoche bestehen Körper-seele und Psyche nebeneinander, im weiteren Verlauf der Entwicklungerhält sich nur die„ Psyche". Als Seelensitze der Körperseele gelten dasHerz, das Zwerchfell, der Hoden, der Penis, die Nieren, verschiedeneSekrete des Körpers, aufserdem Haare und Nägel, deren Wachstum mansich nur vermittelst einer von der Seele ausgehenden Kraft erklären konnte.Hoden, Penis und Nieren kamen wegen ihrer Beziehungen zur Fortpflan-zung, die merkwürdigerweise auch den Nieren zugedacht wurde, zu ihrerStellung in dem Glauben der Totemisten. So erklärt sich auch, wie derPhallus zu seiner Rolle in den auf Vermehrung der Tiere und Pflanzenabzielenden Vegetationsfesten kam. Die Seele verlegte man auch in dasBlut, da man des öfteren Gelegenheit hatte, zu beobachten, dafs jemandan Verblutung zugrunde ging. Die bei vielen Völkern übliche Blutsbruder-schaft erklärt sich in dieser Weise. Da man seine Seele( die Psyche) aus-hauchen kann, so ist es möglich, dafs sie von einem zufällig in der Nähebefindlichen, flüchtigen Tier aufgenommen wird. Darum sind Schlangen,Vögel, Fische u. dgl. Seelentiere. Auch die Würmer, die den faulendenLeichnam verlassen, wurden vielfach derartig gedeutet. Eine der vielenUrsachen der Anthropophagie mag auch in der Annahme liegen, dafs dieSeele des Verstorbenen in den ihn verzehrenden Überlebenden übergehenkönne. In Nordamerika gilt bei vielen Stämmen eine in Holz geschnitzteKombination einer Schlange, eines Fisches und eines Schiffes als Seelen-sitz. Auf den gleichen Annahmen wie die Anthropophagie beruht wohlauch die Sitte des Skalpierens und der Aufbewahrung von Köpfen er-schlagener Feinde bei vielen Völkern.
Die Bestattungsformen hängen sicherlich mit der jeweiligen Artdes Seelenglaubens zusammen. Da der Primitive Glossar ::: zum Glossareintrag Primitive an eine im Leichnamhausende Körperseele glaubt, läfst er ihn am Ort des eingetretenen Todesliegen und flieht. Erst der Totemist entschliefst sich zu einer wirk-lichen Bestattung des Toten. Er legt ihn z. B. auf eine Plattformoder auf einen Baum, damit die Psyche leichter entweichen könne. Häufig