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Wilhelm Wundts "Elemente der Völkerpsychologie" und die moderne Ethnologie
Entstehung
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Mitteilungen.

Tiere zu verlegen. Im primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiven Zeitalter war man noch nicht dahin ge-langt, da der Kampf keine so grofse Rolle spielte, wie bei den Totemisten.Die an das Tier gleichzeitig geknüpfte Nahrungsvorstellung brachte esdahin, dafs die Nährpflanze an Stelle des Tieres treten konnte, daherPflanzen totemismus. Die Entwicklung der Totem vorstellungenwäre nach WUNDT ungefähr folgende: Seelentier- Jagdtier Nahrungs-Nährpflanze. So mündet der Totemismus auf dem Wege TierPflanze schliefslich in den Animismus.

tier

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10. Tabugesetze. Tabu ist ein polynesisches Wort und be-deutet Verbot. Tabu und Totem sind zusammenhängende Begriffe. Tabuwar ursprünglich nur das Totemtier, weil es ein Seelentier war. Dannübertrug sich das Tabu auch auf den Besitzer des Totemtieres, ferner seineSpeisen, sein Haus, konnte sich sogar auf eine Örtlichkeit erstrecken, diemit dem Herrscher irgendwie im Zusammenhang war. Die vom Tabu be-troffenen Gegenstände und Lebewesen dürfen nicht berührt werden. Mitder Zeit erstreckte sich dieses eigentümliche Gesetz in Australien selbstauf die Eheordnung: Tabu war bei manchen Stämmen die Schwiegermutter,man durfte sie nicht heiraten und sollte jeder Begegnung mit ihr aus-weichen. Diese Regel mag sich in der Weise eingestellt haben, dafs derMann, der ursprünglich blofs seine Mutter nicht heiraten durfte, späterdann auch in diesem Sinne auf seine Schwiegermutter verzichten musste.Es handelt sich hier wohl wahrscheinlich um die Ideenassoziation Mutter-Schwiegermutter. Das Objekt des Tabu war ursprünglich heilig. Danngalt es später als unrein. So sind beispielsweise die Speisengesetze derJuden zu deuten: Darum durfte man nicht das Blut des Tieres essen, dain dieser Flüssigkeit der Sitz der Seele gelegen sein sollte. In dem inBetracht kommenden Tiere selbst müssen wir ein Seelentier vermuten.Unter anderem dürfen bei den Juden auch deshalb Schlangen nicht ver-speist werden, weil sie bei ihnen sicherlich, wie auch bei manchen anderenVölkern, ursprünglich Seelentiere waren. Wenn man ein Tabugesetzverletzt hat, so mufs man sich von dieser Schuld reinigen. Dies ge-schieht durch Wasser, Feuer oder Übertragung der Sünde auf einanderes Lebewesen( der Sündenbock der Juden). Von RICHARD ANDRÉE 1erfahren wir mehrere hierher gehörige Fälle: Bei den Katschinzen Süd-sibiriens vertritt ein weifses Pferd die Stelle des Sündenbocks bei denJuden, bei den Miaotse in China wird ein Drachen in gleichem Sinne ver-wendet. Ferner gehören nach ANDRÉE die Schnepfe in Böhmen, dasHühnchen am Niger, der Mistkäfer in England und der Kreuzschnabel imVogtland" hierher. Die dem Verfahren zugrunde liegende Vorstellung istdie, dafs sowohl Krankheiten als auch Sünden auf ein Tier übertragenwerden können. Wenn nun das Tier davongejagt wird, nimmt es die be-treffenden Krankheiten resp. Sünden mit und befreit die Menschen sodavon. Die reinigende Kraft des Wassers, die sich ursprünglich blofs.auf den Körper erstreckt, wird dabei auf die Seele des Sünders übertragen.Allmählich kam es dahin, dafs man sich durch diese Prozedur nicht nur

1 RICHARD ANDRÉE, Ethnographische Parallelen und Ver-gleiche. Stuttgart 1878. S. 29 ff.