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den Vogel erinnert, der ja auch fliegt. Daher dachte man, auch dem künstlichenObjekt durch die Anwendung von Federn, das Durchmessen des Luftraumeszu ermöglichen. Wie in neuester Zeit wiederholt nachgewiesen wurde,denkt ja der Urmensch vielfach in Symbolen. Schliefslich wurde so un-bewufst durch die Fiederung der Flug reguliert. Wir müssen bekennen,dafs wir über die Entstehung von Bogen und Pfeil gar nichtsSicheres wissen, da bis jetzt die einzelnen Arten dieser Werkzeugenoch nicht genügend erforscht sind. Als Knüttel und Hämmer dientenzufällig aufgefundene, dazu geeignete Naturobjekte aus Holz oder Stein.Die Feuergewinnung geschah nach WUNDT wohl zuerst durch dieArbeit des Sägens oder Bohrens. Dermafsen mufsten sich Feuer-sägen und Feuerbohrer von selbst herausbilden. WEULE¹ bestreitet, dafsdie Feuererzeugung auf diesem Wege entstanden sei, denn bei diesen Arbeitenwurde Holz gegen Stein und Muscheln gerieben, aber niemals Holz gegenHolz. Dazu kam es nach WEULE erst, als man zur Erhaltung eines derNatur entlehnten Feuers des leicht brennbaren Holzmehls bedurfte. Alsozuerst kam die Benutzung der in der Natur gebotenen Feuerquellen, derenErhaltung und dann erst die künstliche Feuererzeugung. Ich wage nichtzu entscheiden, ob WUNDT oder WEULE in der Beantwortung dieser Fragerecht hat, aber immerhin erscheint mir WEULES Ansicht von vornhereinplausibler. Finden sich vollkommenere Gerätschaften vor, so hat man esmeist mit von anderen Völkern erworbenen Dingen zu tun. So treibenbeispielweise die Weddas zu diesem Zwecke einen stummen Tausch-handel, weil sie, wie alle Primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag Primitiven, eine gewisse Scheu vor anderenMenschen haben. Wegen der grofsen Unbeholfenheit der Waffen gibt eskeine Kriege, höchstens Einzelkämpfe. In allen Sachen der äusserenKultur hat man es nur mit Anfängen zu tun.
Der Ursprung der Ehe und Familie. In früheren Tagen warman der Ansicht, dafs der Mensch der Urzeit in vollständiger Pro-miskuität der Geschlechter gelebt habe. Es wurden unter anderen dafürverschiedene Gründe angeführt, beispielsweise das malaiische Ver-wandtschaftssystem, wie es auf der Insel Haiti üblich ist. Dabeibezeichnet jeder Mensch alle Männer und Frauen der nächsthöherenGeneration als seine Väter und Mütter, die der dieser vorausgehendenGeneration als seine Grofsväter und Grofsmütter; in analoger Weise sprichtman bei den absteigenden Generationen von Söhnen und Töchtern, Enkelnund Enkelinnen. Die Menschen der gleichen Generation bezeichneneinander als Brüder und Schwestern. Man meinte, dafs diese Benennungenauf eine allgemeine Promiskuität schliefsen lassen, bei welcher niemandseinen Vater genau kenne u. dgl. mehr. Die Linguistik brachte uns aberdie Überzeugung bei, dafs es sich hier nur um eine rein sprachliche Aus-drucksweise handle, so wie man beispielsweise im Russischen jedem älterenMann Väterchen sagt, ohne ihn damit wirklich als Vater bezeichnen zu wollen.Die Polygynie wollte man als einen Überrest der Promiskuität deuten.In Wahrheit handelte es sich dabei nur um mehrere Frauen, die sich der
1. KARL WEULE, Leitfaden der Völkerkunde, Leipzig u. Wien1912, S. 114 ff.