dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Es werden heute noch Eier in den Fami-lien auch selbst gefärbt, doch meist kauft man gefärbte, oder überhaupt unechte,also meist Zuckerwerkbehälter in Eierform, oder auch in Hasenform. Dasvor wenigen Jahrzehnten häufig und in Resten heute noch geübte Färben undBemalen der Ostereier geschah und geschieht meist durch die Hausfrauen, diesich dabei käuflicher Farbpulver, aber auch der Zwiebelschalen und des Kaffee-sudes bedienen. Gelegentlich werden auch durch das Aufbinden und Mitsiedenvon Frühlingskräutern bunt besprenkelte Eier hergestellt. Einrißen vonSprüchen und Drnamenten mittels Nadeln kommt gelegentlich vor, wobeiaber anscheinend wieder Menschen der ersten Stadtgeneration beteiligt sind.Noch in der Übergangszeit war jedoch derartiges Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum auch in kirchlichgesinnten hochbürgerlichen Kreisen, etwa in der Familie Führich, durchausüblich¹).
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Früher mehr als gegenwärtig waren auch Eierspiele bekannt undgeübt. Das Eierpecken" oder„ Eiertitschen" wurde bis in die Gegenwartgeübt, besonders in den Formen des Aufeinanderschlagens der Eierspitzen unddes Aufschlagens mittels eines daraufgeworfenen Geldstückes, wobei dem ge=schickten und glücklichen Titscher das eingepeckte Ei zufiel; manchmal ver-suchte man auch in Wien das Glück dabei zu korrigieren, indem man Ei-schalen etwa mit Pech ausgoß oder anders zu härten verstand. Vom Schenkender Eier und der Hasenfiguren ausgehend entwickelt sich langsam auch einweiterer Schenkebrauch unter dem Namen des„ stergeschenkes"parallel dem Weihnachtsgeschenk. Dagegen haben die älteren Bräuche derKarwoche die Anteilnahme der Öffentlichkeit weitgehend eingebüßt. Die„ heiligen Gräber" werden wohl besucht, und ihre verschiedenartige Ausstat-tung in den einzelnen Kirchen Wiens ist volksbekannt. Zur Zeit der Mon-archie wußte und sprach man auch von der Fußwaschungszeremonie, welche jeden Gründonnerstag der Kaiser an zwölf armen altenMännern und die Kaiserin an zwölf Frauen vornahm, doch mit dem Bestandder Monarchie schwand der Branch ähnlich wurde und wird er vom Erz-bischof vollzogen und auch die Anteilnahme. Außer den schon erwähntenOsterspeisen ist ein ausgesprochenes stergebäck, der„ Dsterfleck", einflaches, kreisförmiges, ornamental verziertes Weißgebäck, bekannt und ver-breitet2). Sein offensichtlich hohes Alter läßt ihn doch auch der Großstadtnoch geläufig sein, wenn auch sein Verbrauch schon stark abgenommen hat.
1) Heinrich von Wörndle, in: Lukas Ritter von Führichs ausgewählte Schriften. Stuttgart 1894, G. XXXI.
2) Schon bei Theodor Vernaleken, Alpensagen( Neuausgabe von Hermann Burg, Salz-burg 1937), S. 361, bezeugt.
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