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Wiener Volkskunde : ein Aufriß
Entstehung
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Der Proletarier", vom untersten Hilfsarbeiter bis zum qualifizierten Fabriks-arbeiter, stand all diesen Schichten ziemlich gleich fern. Für die Großstadt-volkskunde sind diese Probleme von derselben Wichtigkeit wie für die allge-meine Volkskunde. Bei dem noch zu besprechenden stark passiven Wesen desStädters ist allerdings das Verhalten des Hofes und des Adels von Wichtig-keit, selbst wenn beide seinerzeit nicht so volkstümlich gewesen wären, wie esin Wien der Fall war.

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Eine dritte Möglichkeit der Aufgliederung des Großstadtvolkesist die landschaftlich geographische Art. Auf dem be=schränkten Raum einer Stadt scheint doch dies seit jeher eine gewisse Rollezu spielen. Zunächst für die Gesamtstadt: Wien ist Weinstadt von alters her,und auf ihren Wein waren die Wiener stets sehr achtsam. Wenn es in derHandveste Herzog Albrechts I. vom 11. Februar 1295 heißt, daß der StadtEhre und Nugen allermeisten in den Weingärten liegt" 1), so bleibt dies jahr-hundertelang von allergrößter Bedeutung. Die Einfuhr ungarischer und ita-lienischer Weine wurde immer wieder verboten; durch Verwüstung der Wein-gärten konnte man die mittelalterlichen Wiener am ehesten zu raschenFriedensschlüssen zwingen; der Kampf gegen die Türken war stets auch einRachekampf um die verwüsteten Weinberge. Welche Rolle der Wein, dieWeinfreudigkeit und alles drum herum in der Wienerischen Literatur einstund jetzt, seit der Wiener Meerfahrt" bis zur neuesten Operette, zumletzten Wiener Lied spielt, ist wohlbekannt. Wieviel davon mit der Lebensartdes Wieners wirklich zusammenhängt, soll im Schlußabschnitt noch gezeigtwerden. Für die innere Gliederung Wiens sind diese Dinge wichtig, da einTeil der Bevölkerung stets mit den Weinbergen im Westen der Stadt ver-bunden war, wo eine alte seßhafte Weinbauernbevölkerung seit langemintegrierend zum Wiener Volk dazugehört. Hier handelt es sich auch um einebrauchtumstragende Glossar ::: zum Glossareintrag brauchtumstragende Schichte, welche das Interesse am Wiener Volkstum zu-nächst wachgerufen hat, obgleich es sich hier um bäuerliches Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum,um Restbestände handelt 2). Das östliche Gegenstück zu den Weinbauern imWesten bilden die Gartner", die Gemüsebauern im Dsten der Stadt. Siesind gleichfalls halbbäuerliche Großstädter, aber nicht von der Art der tradi-tionsfrendigen Weinbauern, sondern mehr zweckhaft denkende Kolonisten,ähnlich den ostdeutschen Siedlern. Großstadtmenschen, welche zu diesen halb-bäuerlichen Bewohnern des Großstadtrandes in enger Beziehung stehen, sindund waren besonders die Fuhrlente, Kutscher, Marktlente, die einst berühmten

1) Koch, Wien und die Wiener, S. 10.

2) Vgl. auch Anton Böhm, Die Weincultur im alten Wien.( Österreichisches Jahrbuch,hg. Frhr. von Helfert, 1896, Bd. 20, S. 271 ff.)

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