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Weihnachtsgebäcke : eine vergleichende Studie der germanischen Gebildbrote zur Weihnachtszeit
Entstehung
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also auch hier ist Weihnachten ein Neujahr, bei dessen Beginn manden Gemeindehirten für das kommende Jahr aufdingte, indem manihm einen Weihnachtsfladen als Vertragssymbol gab und so für dieSippschaftsdienste verpflichtete, wie sonst früher( siehe oben S. 15)auf das Ebershaupt oder den Julbock.

Auch die St. Galler Mönche hatten im 15. Jahrhundert ihrenWeihnachts fladen( M. Heyne, 1. c. II, 275); die Toggenburger( Schweiz) bereiten auf Weihnachten auch» Rahm-« und» Birn-fladen«; die Norweger und Dänen ein Fladenbrot(»> fladbrød«)( Feilberg, 202, 114); überhaupt gehörte der Fladen noch zu denprimitiveren Glossar ::: zum Glossareintrag primitiveren und älteren germanischen Festgebäcken.

Nur die Thüringer nennen die teller- oder fladenförmigen Pfeffer-kuchen auch» Pfeffer scheiben« oder» Lebkuchenscheiben«; nachWitzschel( Sagen aus Thüringen II, 173) soll auf denselben unteranderem auch Frau Holle mit dem Spinnrade oder Rocken, das heißtals Spinnerin( siehe unten S. 54), abgebildet sein als zweckentsprechendeErinnerung für den Empfänger.

Nebenbei sei hier eingeschaltet, daß bei den toskanischen Bauerndie stiacciata, ein breitgeschlagener Fladen, üblich ist und daß inNeapel auf Weihnachten auf Brettertellern und Tischen die sogenanntePizza[ zu mittellateinisch pinsa= Backtrog, Mehlstampfgefäß; Trissopinso; pinsores= pistores; pinsa pizza, ein Fladengebäck aus zer-stampften Körnern] herumgetragen wird, eine Art hohes Rundstück( Kreuzbrot) aus Brotteig mit Öl bestrichen, mit Schnittlauch undgeriebenem Ziegenkäse oder mit Speck, Basilikum und Schnecken-stückchen bestreut. In neuerer Zeit wird diese Pinza auf Ostern auchnach Deutschland gebracht; dann ist es aber ein durch Safran( Eifarbe-Ersatz) gelber, feiner, hoher, oben kreuzförmig geteilter Osterfladen.( Leipziger Illustr. Ztg., 31. Dezember 1903, Nr. 3157, S. 1030.) Mit demSonnenrade oder der Sonnenscheibe haben diese Rundstücke keineBeziehung, da sich ihre Formen aus bäckertechnischen Gründen vonselbst ergeben; über die Bedeutung des Kreuzes siehe unten S. 69.

5. Ein germanischer Name für besser zubereitetes, länger ge-kochtes und feineres Festgebäck ist derKuchen, der auf Weihnachten inverschiedenen Formen oder Größen hergestellt wird. Der uralte» Leb-kuchen«<, über welchen wir schon unter den Nikolausgebäcken( Z. d.V. f. V. K. 1902, S. 84) gesprochen haben, spielt gerade auf Weih-nachten und Neujahr seine größte Rolle, da er zur Herstellung vonModelbildern, die den Zweck angeben, besonders geeignet ist oderauch diesen Zweck sonst symbolisiert. Wie das Klôsenzeug zumSt. Nikolaustag, so gehört der Lebkuchen als» Christbürde<< zurChristnacht. In der Pfalz sehen es die Kinder lieber, wenn um Weih-nachten helles Wetter ist; denn so oft das Abend- oder Morgenrotdabei sich zeigt, bäckt das Christkind Lebkuchen( Grünenwald, l. c.15 ff.). Besonders in den Frauenklöstern wurde das Lebkuchenbacken

Zeitschrift für österr. Volkskunde.